Bistum Limburg

"Vergiftet" und "zerrüttet"

Im Bistum Limburg gibt es viele Meinungen zu Tebartz-van Elst

Limburg - 12.02.2014

Michael Schmitt, Sprecher der unlängst ins Leben gerufenen Initiative "Una-Sancta-Catholica - Laien für Bischof und Kirche von Limburg", gibt sich keinen Illusionen hin: Die Masse der praktizierenden Katholiken im Bistum Limburg - von den anderen gar nicht zu reden - sei so beeindruckt von der "Medienkampagne" gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, "dass sie mitschwimmt". Das gelte auch für die Pfarrer und Pastoralreferenten. Leute, die für den Bischof seien, fühlten sich in ihren jeweiligen Gemeinden isoliert.

In einer im Internet veröffentlichten Erklärung der Initiative heißt es: "Wir wollen unseren Bischof zurück." Es gehe darum, Tebartz-van Elst und die Kirche zu verteidigen. "Wenn wir für den Bischof eintreten, stellen wir uns vor die Kirche." Der Limburger Oberhirte sei durch eine deutschlandweite Medienkampagne aus seinem Bistum "vertrieben" worden. Schmitt spricht von einem "großen Echo" auf die Erklärung, von zahllosen zustimmenden E-Mails. Manche sähen eine "Gebetserhörung" darin, "dass es uns gibt", sagt Schmitt.

Das gilt mit Sicherheit nicht für Martina und Gerhard Lotz. Das Ehepaar gehört zur Wiesbadener Pfarrei Sankt Birgid, ist in vielfältiger Weise in der Gemeindearbeit engagiert. Beide sprechen sich gegen eine Rückkehr von Tebartz-van Elst aus, der sich auf Weisung von Papst Franziskus außerhalb Limburgs aufhält. Das Klima sei vergiftet, sagt Martina Lotz. Im Falle einer Rückkehr "kommt das Bistum nicht zur Ruhe".

Gerhard Lotz macht Tebartz-van Elst für ein "Klima der Angst, der Unterdrückung, der klerikalen Hybris" verantwortlich. Seiner Ansicht nach würde man dem Bischof sogar etwas Gutes tun, hielte man ihn von einer Rückkehr ab. Im Bistum würde Tebartz-van Elst "seines Lebens nicht mehr froh", sagt Gerhard Lotz.

Spitzengremien im Bistum halten Neuanfang für unmöglich

Vor diesem Hintergrund hatten die Spitzengremien im Bistum - der Diözesansynodalrat, die Diözesanversammlung und der Priesterrat - bereits im vergangenen Herbst deutlich gemacht, dass sie sich einen Neuanfang mit dem Bischof nicht vorstellen können. Ebenso positionierten sich führende Persönlichkeiten im Bistum wie der Vorsitzende des Domkapitels, Domdekan Günther Geis, und der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz , der dem Domkapitel angehört.

Luftbild des Diözesanen Zentrums in Limburg.
Luftbild des Diözesanen Zentrums in Limburg.  KNA

Keine Stellungnahme abgeben wollte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Limburg. Auf Anfrage hieß es, man werde sich "aktuell" nicht zur Situation äußern. Anders der Vorsitzende des diözesanen Kolpingwerks, Stefan Fink. Er hält die Situation für "unerträglich" und wünscht sich eine baldige Veröffentlichung des Berichts der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Prüfkommission zum Bau der Bischofsresidenz.

"Keine Grundlage" für eine Rückkehr des Bischofs sieht Josef Kirchbach (Name geändert, d. Red.). Das Verhältnis zwischen den Kirchengemeinden und dem Bischof sei zerrüttet, sagt der Ständige Diakon. Er weiß, dass es in seiner Gemeinde eine Spannung gibt zwischen einer kleineren Gruppe, die zum Bischof halte, und einer größeren, die ihn ablehne. Vor diesem Hintergrund will Kirchbach anonym bleiben; er sei eben Seelsorger für alle.

Bischof müsse aus der Schusslinie genommen werden

Dann gibt es da noch die Fraktion derer, die sich von der Debatte um Tebartz-van Elst nicht abbringen lassen wollen von ihrer "positiven Grundeinstellung" zur Kirche. So wie Gabriele und Norbert Rutemöller aus der Gemeinde Maria Königin in Niedernhausen/Taunus. Das Ehepaar ist verärgert, dass Leute, die ohnehin nichts von der Kirche wissen wollen, auf der Causa Limburg "ihr Süppchen kochen". Der Bischof müsse aus der Schusslinie genommen werden. Er habe "mit Sicherheit was auf dem Kasten", sei aber wohl auf der wissenschaftlichen Schiene besser aufgehoben.

Nach wie vor in Limburg lebt der emeritierte Weihbischof Gerhard Pieschl, der kürzlich 80 Jahre alt wurde. Er sei loyal gegenüber dem Bischof und dem Bistum, betont Pieschl. Was er aber überhaupt nicht verstehen könne, seien Behauptungen, wonach die Verhältnisse im Bistum Limburg nach den Amtszeiten der Bischöfe Wilhelm Kempf (1949-1981) und Franz Kamphaus (1982-2007) so schlecht gewesen seien, dass es eines Bischofs bedurft hätte, der das korrigiere.

Von Peter de Groot (KNA)

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