Vertiefen, erklären, verdeutlichen

Bei der Bischofssynode in Rom haben die in zehn Arbeitsgruppen aufgeteilten Synodenväter den am Montag vorgestellten "Zwischenbericht" kontrovers diskutiert. Am Ende ihrer Debatten beschlossen die Gruppen unabhängig voneinander zahlreiche Änderungsvorschläge, die nun in einem komplexen Redaktionsverfahren in einen Abschlusstext der Synode einfließen sollen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert einige Passagen aus den Berichten in eigener Übersetzung:

Familiensynode | Vatikanstadt - 17.10.2014

Bei der Bischofssynode in Rom haben die in zehn Arbeitsgruppen aufgeteilten Synodenväter den am Montag vorgestellten "Zwischenbericht" kontrovers diskutiert. Am Ende ihrer Debatten beschlossen die Gruppen unabhängig voneinander zahlreiche Änderungsvorschläge, die nun in einem komplexen Redaktionsverfahren in einen Abschlusstext der Synode einfließen sollen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) dokumentiert einige Passagen aus den Berichten in eigener Übersetzung:

Ergänzungen empfiehlt der vom US-Kurienkardinal Raymond Leo Burke geleitete Sprachkreis "Anglicus A". Der Text brauche eine theologische und anthropologische Grundlegung. Die kirchliche Lehre vom menschlichen Leben, von Ehe und Familienleben müsse dargestellt werden. "Wo beispielsweise die Relatio offenbar nahelegt, dass Sex außerhalb der Ehe oder Zusammenleben ohne Trauschein erlaubt sind, haben wir versucht zu zeigen, warum ein solcher Weg nicht zu menschlicher Erfüllung führt." Denn "wenn wir andeuten, dass bestimmte Lebensstile akzeptabel sind, dann könnten (...) besorgte Eltern leicht sagen: "Warum arbeiten wir so hart daran, unsere Söhne und Töchtern zu einem Leben nach der kirchlichen Lehre anzuhalten?"

Klar wendet er sich gegen die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten. Das Mitgefühl der Kirche für Menschen in schwierigen Situationen dürfe bei den Gläubigen nicht zu Verwirrung führen.

Kardinal Christoph Schönborn.
Kardinal Christoph Schönborn.  KNA

Mehr von intakten Familien sprechen

Die italienischsprachige Gruppe "Italicus B" unter Leitung von Kardinal Angelo Bagnasco bemängelt, in dem Zwischenbericht sei zu viel von Krisensituationen und zu wenig von intakten christlichen Familien die Rede. "Wir können uns nicht erlauben, den Eindruck zu erwecken, als bleibe die christliche Familie in unserem synodalen Dialog unberücksichtigt", heißt es in dem Bericht. Zudem beanstandet der Zirkel, der Zwischenbericht scheue sich, ein klares Urteil zu fällen über "diverse Angelegenheiten, die bereits Ausdruck der dominierenden Kultur sind". Diese Zurückhaltung sei mit der "prophetischen Rolle" der Kirche nicht vereinbar.

Noch deutlicher formuliert diese Anliegen der italienischsprachige Zirkel unter Leitung von Bischof Angelo Massafra. Das Abschlussdokumen t müsse ausdrücklich die kirchliche Lehre von Ehe, Familie und Sexualität bekräftigen und sich mit Blick auf "Situationen, die objektiv im Widerspruch zum Evangelium von der Familie stehen ohne Schwanken der Kategorien 'Sünde', 'Ehebruch' und 'Umkehr' bedienen", fordert der Zirkel.

Der vom Wiener Kardinal Schönborn geleitete französischsprachige Zirkel "Gallicus B" hat sich mehrheitlich gegen einen Rückgriff auf das sogenannte "Konzept der Gradualität" ausgesprochen. Dieses Modell laufe Gefahr - wenn auch zu Unrecht - "von vornherein als Legitimierung irregulärer Lebenssituationen verstanden zu werden". Der Zirkel wendet sich ausdrücklich auf die unter anderem von Schönborn selbst ins Spiel gebrachte Analogie zu den Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) über die Kirche im ökumenischen Dialog.

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Bischöfe und Laien über ihre Erwartungen an die Familiensynode im Vatikan.  

Textpassage über die Homosexuellen verändern

Das Konzil hatte festgestellt, dass Kirche im Vollsinne nur die katholische Kirche sei, in anderen christlichen Gemeinschaften jedoch auch Elemente von Kirche vorhanden sein könnten. Der Vorschlag Schönborns und anderer war, solche Abstufungen auch mit Blick auf die Ehe anzuwenden.

Die spanischsprachigen Gruppe "Ibericus A" unter dem Vorsitz des mexikanischen Kardinals Francisco Robles Ortega forderte, die Textpassage über die Homosexuellen grundlegend zu verändern und wie folgt zu formulieren: "Die Geschlechtlichkeit, die uns als Menschheit als Männer und Frauen existieren lässt, ist ein nicht aufgebbarer Wert der christlichen Theologie und Anthropologie. (...) Auch Personen mit homosexuellen Neigungen brauchen Aufnahme und Begleitung, die ihnen hilft, im Glauben zu wachsen und den Plan Gottes für sie kennenzulernen."

Die Gruppe "Ibericus B" unter Leitung des spanischen Kardinals Luis Martinez Sistach betonte, dass der Zwischenbericht Erdös lediglich ein Arbeitspapier sei. Grundlegende theologische und kirchenrechtliche Fragen müssten bis zur nächsten Synode 2015 von Expertenkommissionen vertieft und verdeutlicht werden. "Wir finden, dass in dem Bericht die eingehende Behandlung wichtiger Themen wie Abtreibung, Anschläge auf das Leben, das verbreitete Phänomen der Adoption und die Gewissensentscheidungen der Eheleute fehlte, ebenso wie eine größere Klarheit über das Thema Homosexualität". (KNA)

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