Viele leere Bischofsstühle

Wer wissen will, wie es um die katholische Kirche in Deutschland bestellt ist, kann nach Ostercappeln (Niedersachsen) fahren. Die Kirchengemeinde St. Lambertus blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Aus ihr gingen viele Priester und Ordensleute hervor.

Kirche | München - 21.07.2014

Wer wissen will, wie es um die katholische Kirche in Deutschland bestellt ist, kann nach Ostercappeln (Niedersachsen) fahren. Die Kirchengemeinde St. Lambertus blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Aus ihr gingen viele Priester und Ordensleute hervor.

Der Ostercappelner Jesuit Johann Ernst Hanxleden zum Beispiel wirkte lange als Missionar in Kerala (Indien). Doch jetzt geht eine Epoche zu Ende: Das Bistum Osnabrück hat erstmals keinen einheimischen Priester mehr für Ostercappeln. Der neue Ortspfarrer kommt - ausgerechnet - aus Kerala.

Was jahrhundertelang als Volkskirche vor Ort selbstverständlich war - der Priestermangel zerstört es, macht Deutschland zum Missionsland. Das Problem kommt auch auf der Führungsebene an: Immer mehr Bistümer haben Probleme, einen Bischof zu finden. Berlin, Hamburg, Erfurt, Limburg, bald auch Mainz: Papst Franziskus muss viele Bischofsstühle neu besetzen und scheint damit Schwierigkeiten zu haben.

Warum setzt sich Papst über Wünsche der Ortskirchen hinweg?

"Die Personaldecke wird immer dünner", sagt der Kirchenexperte und Chefredakteur der "Herder-Korrespondenz", Ulrich Ruh. "In Erfurt zum Beispiel ist es ganz schwer, jemanden zu finden." Ein Grund ist auch das Wahlverfahren: Anders als sonst in der Weltkirche haben Bistümer in Deutschland ein Mitspracherecht, das im Preußen-Konkordat von 1929 grundgelegt wurde: Das Domkapitel legt dem Heiligen Stuhl ein Liste geeigneter Kandidaten vor. "Unter Würdigung" dieser Listen wählt der Papst drei Namen aus, unter denen sich das Domkapitel für einen entscheidet.

Stephan Burger liegt während seiner Bischofsweihe lang ausgestreckt auf dem Boden.
 dpa

Der neue Freiburger Erzbischof Stephan Burger und der von Berlin nach Köln gewechselte Erzbischof Rainer Maria Woelki standen anscheinend nicht auf der Liste des Domkapitels. Der Papst hat sich demnach über die Wünsche der Ortskirchen hinweggesetzt. Warum? Darüber wird gerätselt. Angekündigt hatte Franziskus das Gegenteil: mehr Eigenverantwortung der Ortskirchen. Dass ein selbst vor Ort weitgehend unbekannter Geistlicher wie Burger zum Oberhirten ernannt wird, löst Stirnrunzeln aus.

Immerhin: Das Kardinalsgremium, das den Papst bei der Kurienreform berät, spricht auch über das Thema Bischofsernennungen. Offenbar sehen der Münchner Kardinal Reinhard Marx und die anderen Mitglieder der Führungsgruppe Handlungsbedarf.

Ernennungen möglicherweise Thema bei Bischofssynode

Auch die Bischofssynode im Oktober in Rom könnte einiges in Bewegung bringen. Es geht dort um Fragen der Ehe und Familie, doch am Ende kommen möglicherweise noch ganz andere Dinge ins Rollen. "Wenn sich Bischöfe aus allen Weltgegenden trauen, klare Forderungen zu stellen, wird sie niemand stoppen können", sagt Ruh und ergänzt: "Die kirchliche Lehre ist gar nicht so stabil, wie man meint."

Und wer wird jetzt Erzbischof in der Bundeshauptstadt? Marx hat bereits Spekulationen zurückgewiesen, dass er als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und diplomatisch gewandter Kirchenpolitiker nach Berlin wechseln könnte. "Selbstverständlich bleibe ich in München", sagte er vergangene Woche. Als möglicher Kandidat wird der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck genannt, der als Militärbischof ohnehin häufig in Berlin sein muss. Ein Problem wäre damit gelöst, ein anderes neu entstanden: Auch Essen bräuchte dann einen neuen Oberhirten.

Von Bernward Loheide (dpa)

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