Von wegen "Reif fürs Museum"

Reif fürs Museum? Unter dieser Frage beschäftigte sich Bernhard Remmers am 19. November in einem Beitrag auf katholisch.de mit der aktuellen Situation der Kirchenpresse. Der Text stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Insolvenz der "Frankfurter Rundschau". Die Furcht gehe um, dass nun das große Zeitungssterben in Deutschland beginne und es bald auch katholische Kirchenzeitungen treffen könne.

Medien | Bonn - 18.12.2012

Reif fürs Museum? Unter dieser Frage beschäftigte sich Bernhard Remmers am 19. November in einem Beitrag auf katholisch.de mit der aktuellen Situation der Kirchenpresse. Der Text stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Insolvenz der "Frankfurter Rundschau". Die Furcht gehe um, dass nun das große Zeitungssterben in Deutschland beginne und es bald auch katholische Kirchenzeitungen treffen könne.

Reif fürs Museum? Das ist für Bernhard Remmers eigentlich keine Frage. Wenn die Kirchenpresse nicht völlig neue Wege der Zusammenarbeit gehe, könne sie sich schon bald ihren Platz im Zeitungsmuseum neben der "Frankfurter Rundschau" suchen. Reif fürs Museum? Für eine nicht unbedeutende Zahl von Bistumsverlegern, Journalisten und Marketingstrategen ist das keineswegs ausgemacht.

Sie bieten jede Woche frischen, inspirierenden und kritischen Journalismus und ärgern sich über manche pauschale und einseitige Darstellung, die der Vielfalt des Mediums nicht entspricht. Dabei geht es weniger um das, was Remmers sagt, als um das, was er verschweigt: Dass der durchschnittliche Auflagenrückgang der Kirchenpresse fünf Prozent beträgt, manche Objekte aber deutlich besser abschneiden; dass es Kirchenzeitungen gibt, die rentabel arbeiten und teils ansehnliche Gewinne erwirtschaften; dass schließlich durchaus nicht alle Anzeigenumsätze ausnahmslos sinken.

Dabei steht Remmers Anliegen gar nicht in Frage. Natürlich muss auch die Kirchenpresse sich immer wieder ändern, wenn sie Bestand haben will. Das gilt ganz generell, mehr noch aber angesichts der prekären Situation, in der sich manche Blätter befinden. Und natürlich muss die Bistumspresse immer neue Wege suchen, ihre Qualität und Zukunft zu sichern. Anders wird es nicht gehen. Kooperation ist unbestritten einer dieser Wege.

Die "Frankfurter Rundschau" und die "Financial Times Deutschland" sind die prominentesten Opfer des Zeitungssterbens.
Die "Frankfurter Rundschau" und die "Financial Times Deutschland" sind die prominentesten Opfer des Zeitungssterbens.
 picture alliance / dpa/Stephanie Pilick

Bärendienst für die Bistumspresse?

Aber die Frage ist doch, welche Form der Kooperation die angemessene ist. Im Ringen um diese Frage erweist Bernhard Remmers der Sache der Bistumspresse mit seinem Beitrag leider einen Bärendienst. In einer Situation, die schon herausfordernd und anspruchsvoll genug ist und allen Beteiligten nicht weniger als ihr Bestes abverlangt, schadet der gewiss gut gemeinte (und gut geschriebene) Beitrag eher, als dass er weiterhilft.

Wenige Tage nach Remmers Beitrag auf katholisch.de war im Leitartikel der Wochenzeitung "Die Zeit" folgendes zu lesen: "Das gedruckte Medium (ist) überhaupt nicht am Ende; es muss sich nur immer wieder öffnen für jene, die es erreichen will (...) Die Blätter und ihre Macher (müssen sich) die Zuwendung (ihrer Leserinnen und Leser) im buchstäblichen Sinne (...) verdienen. Wer für sich selbst keine Wertschätzung empfindet, kann sie auch von anderen nicht erwarten."

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo beklagt die Selbstdemontage, mit der die Zeitungsbranche auf den notwendigen und unaufhaltsamen Strukturwandel reagiere. Recht hat er. Selbstdemontage ist das, was wir alle am wenigsten brauchen können. Wir sollten unsere Kräfte und Ressourcen besser darauf konzentrieren, gemeinsam die Zukunft zu suchen. Dann findet die Kirchenpresse ihren Platz nicht im Museum, sondern mitten im Leben - wo sie heute steht und auch morgen hingehört.

Von Ulrich Peters

Zur Person

Ulrich Peters ist seit 2001 Leiter der Unternehmensgruppe Schwabenverlag AG , zu der unter anderem das "Katholische Sonntagsblatt", die deutsche Ausgabe des "L'Osservatore Romano" und das katholische Magazin "Theo" gehören.

Reif fürs Museum?

Hier finden Sie den Artikel "Reif fürs Museum?" von Bernhard Remmers.

Reif fürs Museum?

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