Vorwürfe gegen Neapels Kardinal

Erzbischof Crescenzio Sepe soll nach Medienberichten den Hinweis auf einen sexuellen Missbrauch durch einen Priester nicht ernst genommen haben. Das Erzbistum dementiert.

Missbrauch | Rom - 07.02.2017

Einer der prominentesten Kardinäle Italiens, Neapels Erzbischof Crescenzio Sepe, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, im Kampf gegen sexuellen Missbrauch seinen Amtspflichten nicht nachgekommen zu sein. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica" behauptete am Montag, Sepe habe auf die Anzeige eines Mannes, der als Jugendlicher von einem Priester des Erzbistums missbraucht worden sei, nur unzureichend reagiert.

Das Erzbistum Neapel wies die Anschuldigungen zurück. Papst Franziskus hatte 2016 das Kirchenrecht verschärft und Sanktionen für Bischöfe eingeführt, die ihrer Sorgfaltspflicht im Kampf gegen sexuellen Missbrauch nicht nachkommen. Sepe leitete vor seinem Wechsel nach Neapel 2006 im Vatikan die Missionskongregation.

Erzbistum: Übliches Verfahren eingehalten

Laut "La Repubblica" war der Mann 1989 als 13-Jähriger von seinem Religionslehrer missbraucht worden. 2010 habe er vergeblich um ein Treffen mit Sepe gebeten, um seinen Fall zu schildern. 2011 habe er mit einem Weihbischof sprechen können. Untersuchungen habe das Erzbistum jedoch erst 2014 eingeleitet, nachdem sich das Opfer in einem Brief an Papst Franziskus gewandt habe. Nachdem der Mann laut dem Bericht bis Juli 2015 keine Nachricht vom Stand der Ermittlungen erhielt, habe er gedroht, sich vor dem Sitz des Erzbistums zu erschießen. Daraufhin sei er angezeigt worden und habe seine Arbeit verloren.

Das Erzbistum Neapel erklärte dazu, man habe den Fall untersucht und Gespräche mit dem mutmaßlichen Opfer, dessen Psychiater sowie dem beschuldigten Priester geführt. Die Vorwürfe hätten jedoch nicht bestätigt werden können. Dennoch habe man sich mit dem Priester auf eine Auszeit in einem Kloster verständigt. Nachdem sich das mutmaßliche Opfer 2014 an den Papst gewandt habe, sei das Erzbistum, "wie in solchen Fällen allgemein üblich", mit der Untersuchung des Falls betraut worden. Der Mann habe sich jedoch einem psychiatrischen Gutachten verweigert. Nach Sichtung der Unterlagen habe die Glaubenskongregation das Verfahren daraufhin wegen unzureichender Anhaltspunkte eingestellt. (KNA)

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