Warum empfängt der Papst so viele Ministerpräsidenten?

Deutsche Ministerpräsidenten geben sich bei Franziskus die Klinke in die Hand. Dabei empfängt der Papst aus anderen Ländern in der Regel nur Regierungschefs und Staatsoberhäupter. Die Länderchefs profitieren von einer deutschen Besonderheit.

Papst | Bonn - 08.09.2017

Deutsche Ministerpräsidenten geben sich bei Franziskus geradezu die Klinke in die Hand. Am Donnerstag machte dem Papst nun auch die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ihre Aufwartung im Vatikan. Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat der argentinische Papst damit bereits elf deutsche Länderchefs zu einer Privataudienz empfangen. Aus keinem anderen Land hat er so viele Politiker in diesem exklusiven Rahmen begrüßt. Selbst Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken pilgerte im Februar 2016 zum Heiligen Vater.

Warum aber spricht das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken regelmäßig mit deutschen Volksvertretern aus der Provinz, während diese Ehre sonst auf politischer Ebene in der Regel nur Staatsoberhäuptern und Regierungschefs vorbehalten ist?

Bei Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. konnte man das noch mit Heimatverbundenheit erklären. Bei Franziskus selbst ist der Grund wohl weniger Germanophilie als vielmehr das deutsche Staatskirchenrecht und der föderale Aufbau Deutschlands. Die Bundesländer sind Vertragspartner des Heiligen Stuhls. Sie regeln mit Rom das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in ihrem jeweiligen Territorium und schließen dafür sogenannte Konkordate.

Die obersten Repräsentanten eines Konkordats-Partners haben traditionell ein Recht darauf, vom Papst empfangen zu werden. Das unterscheidet die saarländische Ministerpräsidentin vom Gouverneur von Florida. Natürlich muss kein Ministerpräsident den Papst besuchen. Aber der ein oder andere Landeschef hoffte insgeheim wohl auch von der Beliebtheit des Papstes zu profitieren. Nicht bei Franziskus waren die amtierenden Ministerpräsidenten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Bürgermeister der Stadtstaaten Berlin, Bremen, Hamburg. Berlin ist das einzige Bundesland, das bislang kein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl geschlossen hat.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. empfängt hingegen nur noch einen Landeschef in seinem vatikanischen Alterssitz: Den seines Heimatlandes Bayern. (tja)

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