Warum empfängt der Papst so viele Ministerpräsidenten?

Im Vatikan ist eine deutsche Woche zuendegegangen: Gleich drei Länderchefs machten Franziskus die Aufwartung. Dass sich Ministerpräsidenten beim Papst die Klinke in die Hand geben, hängt mit einer deutschen Besonderheit zusammen.

Papst | Bonn - 26.05.2018

Deutsche Ministerpräsidenten haben sich bei Franziskus geradezu die Klinke in die Hand gegeben. In der vergangenen Woche machen ihm gleich drei Länderchefs die Aufwartung, ein neuer Rekord: Berlins Regierender Bürgermeister Matthias Müller war am Samstag beim Papst zu Gast, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet folgte am Montag und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Freitag. Seit seinem Amtsantritt im März 2013 hat der argentinische Papst damit dann bereits 14 deutsche Länderchefs zu einer Privataudienz empfangen. Aus keinem anderen Land hat er so viele Politiker in diesem exklusiven Rahmen begrüßt. Selbst Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken pilgerte im Februar 2016 zum Heiligen Vater.

Warum aber spricht das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken regelmäßig mit deutschen Volksvertretern aus der Provinz, während diese Ehre sonst auf politischer Ebene in der Regel nur Staatsoberhäuptern und Regierungschefs vorbehalten ist?

Warum empfängt der Papst so viele deutsche Minister?

Bei Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. konnte man das noch mit Heimatverbundenheit erklären. Bei Franziskus selbst ist der Grund wohl weniger Germanophilie als vielmehr das deutsche Staatskirchenrecht und der föderale Aufbau Deutschlands. Die Bundesländer sind Vertragspartner des Heiligen Stuhls. Sie regeln mit Rom das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in ihrem jeweiligen Territorium und schließen dafür sogenannte Konkordate.

Die obersten Repräsentanten eines Konkordats-Partners haben traditionell ein Recht darauf, vom Papst empfangen zu werden. Das unterscheidet die saarländische Ministerpräsidentin vom Gouverneur von Florida. Natürlich muss kein Ministerpräsident den Papst besuchen. Aber der ein oder andere Landeschef hoffte insgeheim wohl auch von der Beliebtheit des Papstes zu profitieren. Nicht bei Franziskus waren die amtierenden Ministerpräsidenten von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Bürgermeister der Stadtstaaten Bremen und Hamburg. Berlin ist das einzige Bundesland, das bislang kein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl geschlossen hat.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. empfängt hingegen nur noch einen Landeschef in seinem vatikanischen Alterssitz: Den seines Heimatlandes Bayern. (mit Material von KNA)

Hinweis: Der Text erschien erstmals im September 2017 und wurde aktualisiert

Von Thomas Jansen

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018