Weiterentwicklung der Lehre möglich

Die Bischofssynode im Vatikan kann nach Ansicht des Münchner Kirchenrechtlers Stephan Haering Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie werden. Der Benediktiner verweist auf eine Aussage von Papst Benedikt XVI.

Familiensynode | Regensburg - 15.08.2015

Die Bischofssynode im Oktober im Vatikan kann nach Ansicht des Münchner Kirchenrechtlers Stephan Haering Ausgangspunkt für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre zu Ehe und Familie werden. Schon Papst Benedikt XVI. habe einmal in einem anderen Zusammenhang betont, dass sich die kirchliche Lehrentwicklung generell nicht auf einem bestimmten Punkt einfrieren lasse, sagte der Benediktiner in einem Interview für den aktuellen "Newsletter" des Bistums Regensburg. Diese Weiterentwicklung müsse sich aber immer am Glaubensgut der Kirche orientieren. In welcher Weise das geschehen könnte, sei schwer abzusehen: "Darum wird man auf der Synode ringen."

Unter den Bischöfen sieht Haering derzeit "unterschiedliche, weit auseinanderliegende Positionen", was die Bewertung von Verbindungen angehe, die nach dem Verständnis der Kirche keine gültigen Ehen sind. Dazu zählten auch Verbindungen wie etwa gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die von vornherein keine Ehen sein könnten. Jegliche Geschlechtsgemeinschaft außerhalb einer gültigen Ehe werde von der Kirche gegenwärtig als "irreguläre Gemeinschaft" betrachtet. Nach aktueller Einschätzung des Kirchenrechtlers wolle die Mehrheit der Bischöfe weltweit daran auch festhalten.

"Schismatisches Potenzial"

In den westlichen Ländern gebe es dagegen auch andere Stimmen. Diese seien für eine Annäherung der kirchlichen Lehre an eine heute - "jedenfalls in unseren Breiten" - gesellschaftlich weithin akzeptierte Praxis nichtehelicher Verbindungen. Der Grundsatz der Unauflöslichkeit der Ehe könne aber nicht zur Disposition stehen, bekräftigte der Kirchenrechtler. Denn dabei handle es sich um ein "Gebot des Herrn selbst". Sollten "die Unauflöslichkeit der Ehe und die Bewertung des Ehebruchs als schwere Sünde ernstlich infrage gestellt werden, dann müsste man sich wirklich Sorgen machen", so Haering. Denn darin stecke sogar ein "schismatisches Potenzial".

Als kritisch bezeichnete es der Kirchenrechtler, dass derzeit in den Medien zumeist nur zwei Aspekte behandelt würden - nämlich der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und die Haltung der Kirche zu homosexuellen Partnerschaften. Beide Aspekte würden häufig mit einem "säkularen Konzept" der Antidiskriminierung verbunden, ohne die Dimension von Religion und Glaube dabei wirklich zu berücksichtigen. Die vielen Gefährdungen, denen die Familie weltweit ausgesetzt sei, würden dagegen kaum thematisiert. Haering nannte als Beispiele Hunger und Elend, aber auch die Benachteiligung der Frauen in vielen Ländern. (KNA)

Informationen Stephan Haering:

Prof. Dr. Pater Stephan Haering OSB (Abtei Metten in Niederbayern;

geboren 1959, Priesterweihe 1984; Studien der katholischen Theologie, Germanistik, Geschichte und des kanonischen Rechts in Salzburg, München und Washington D.C.;

Ordentlicher Universitätsprofessor für Kirchenrecht 1997 bis 2001 an der Universität Würzburg und seither an der Ludwig-Maximilians-Universität München;

Richter am Erzbischöflichen Konsistorium und Metropolitangericht München;

Berater der Glaubenskommission und Mitglied der Arbeitsgruppe Kirchenrecht der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).

Das gesamte Interview

Lesen Sie das Interview mit Stephan Haering auf der Internetseite des Bistums Regensburg.

Zum Interview

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