Welchen Namenstag hätten Sie gerne?

Sie heißen Maria? Dann könnten Sie heute Ihren Namenstag feiern. Müssen Sie aber nicht. Denn Marienfeste gibt es zuhauf. Die Sache mit dem Namenstag ist nicht immer ganz unkompliziert – und das betrifft noch weitere Heilige.

Kirchenjahr | Bonn - 08.12.2017

Wer heutzutage noch den Namenstag hochhält, der gehört zu einer Minderheit. Denn bei vielen Menschen ist der alte Brauch, den Gedenktag des eigenen Namenspatrons zu feiern, in Vergessenheit geraten. Vor allem in den letzten Jahrzehnten trat er zugunsten des Geburtstages mehr und mehr in den Hintergrund. Und das, obwohl gerade unter Katholiken das persönliche Patronatsfest über Jahrhunderte höchsten Stellenwert hatte. Doch wie dem auch sei: Sollten Sie Ihren Namenstag nach wie vor feiern oder ihn wieder feiern wollen, ist es mit dem Datum nicht schwer – denn Ihr Namenspatron hat im kirchlichen Kalender nur einen einzigen Gedenktag. Normalerweise zumindest.

Was aber ist, wenn man den Namen der Gottesmutter trägt? Allein der Römische Generalkalender kennt 14 unterschiedliche Marienfeste und -Gedenktage. Dazu kommen noch einmal zahlreiche lokale Festtage für die Gottesmutter, die in den verschiedenen Regionalkalendern zu finden sind. Wer den Namen der Mutter Jesu trägt, hat bei seinem Namenstag also buchstäblich die Qual der Wahl. Denn kirchlichlicherseits ist hierzu nichts vorgeschrieben.

Schwierig kann es auch bei anderen Namen werden: Da ergibt sich zwar nicht die Problematik wie bei Maria, dass ein und derselbe Heilige etliche verschiedene Gedenktage hat. Dafür ist es aber möglich, dass etliche verschiedene Heilige ein und denselben Vornamen tragen – so etwa bei Thomas und vor allem bei Johannes. Der persönliche Namenspatron wird zwar in der Taufliturgie als Fürsprecher angerufen, notiert wird er jedoch für gewöhnlich nirgendwo. Wenn also der Namenstag in der Kindheit keine Rolle spielte und vielleicht niemand mehr die Frage nach dem eigenen Patron beantworten kann, dann ergibt sich auch hier ein Dilemma.

Entscheidungskriterien

Doch zunächst zur Gottesmutter. Möchte man den Namenstag allein vom liturgischen "Rang" abhängig machen, kommen die drei Marien-Hochfeste im Kirchenjahr infrage: das Hochfest der Gottesmutter am 1. Januar, das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel ("Mariä Himmelfahrt") am 15. August und das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria ("Mariä Empfängnis") am 8. Dezember. Der Vorteil: Hier werden jeweils die herausragenden Eigenschaften Mariens gefeiert. Das ist in erster Linie natürlich die Gottesmutterschaft. Doch auch die Befreiung von der Erbsünde und die leibliche Aufnahme in den Himmel heben sie von allen anderen Menschen, auch Heiligen, ab.

Darstellung der heiligen Maria.
14 Fest- und Gedenktage gibt es für die Gottesmutter. Wann also den Namenstag feiern?
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Allerdings scheint der 1. Januar als Neujahrstag vielen Frauen vielleicht eher ungeeignet, um zugleich den Namenstag zu feiern – nach Weihnachten und Silvester sind nicht wenige des Feierns erstmal überdrüssig. Und auch den 8. Dezember nutzen Marias weniger häufig, um ihrer Patronin zu gedenken. Dann schon eher am 15. August: Denn die "Himmelfahrt" bedeutet ja nichts weniger als das irdische Ende der Gottesmutter – so wie die meisten Gedenktage der Heiligen auf das jeweilige Todesdatum fallen.

Zwar gibt es keine statistischen Erhebungen, doch werden sehr viele Marias zum naheliegendsten Datum greifen: dem Fest Mariä Namen am 12. September. Papst Innozenz XI. (1676 bis 1689) setzte den Festtag für die ganze Kirche verbindlich fest, nachdem die Türken bei ihrer zweiten Belagerung Wiens am 12. September 1683 durch die christlichen Heere geschlagen worden waren. Im "Namen" der Gottesmutter hatte man die osmanische Eroberung gestoppt und Maria zu Ehren den Festtag geschaffen. Der Name im Namen macht dieses Marienfest – obwohl es sich eigentlich nur um einen "nichtgebotenen Gedenktag" handelt – zum wohl attraktivsten Termin für den Namenstag von Maria.

Fülle an Möglichkeiten

Doch Möglichkeiten gäbe es noch viele: Sie sind begeisterte Pilgerin oder haben zumindest eine Affinität zu Wallfahrtsorten? Dann feiern Sie am 11. Februar (Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes) oder am 13. Mai (Gedenktag Unserer Lieben Frau in Fatima). Sind Sie eifrige Rosenkranzbeterin, dann wählen Sie den 7. Oktober (Fest Unserer Liebe Frau vom Rosenkranz). Oder aber Sie wollen mit Ihrem Namenstag einfach den Geburtstag der Jungfrau und Gottesmutter feiern, dann machen Sie das am 8. September (Fest Mariä Geburt). Übrigens: "Mariä Lichtmess" (2. Februar) und "Mariä Verkündigung" (25. März) sind keine Marienfeste, sondern marianisch geprägte Herrenfeste. Doch eben weil es keine Vorschriften gibt, könnten Sie auch an diesen Tagen feiern.

Ein Kind war getauft.
In der Taufliturgie wird der persönliche Namenspatron angerufen. Doch was, wenn der in Vergessenheit gerät?
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Wenn Sie Ihren Namenstag seit der Kindheit begehen, haben Sie sich natürlich längst auf ein bestimmtes Datum festgelegt. Wenn nicht, dann müssen Sie wählen. Und das trifft auch auf andere Namen wie Thomas und Johannes zu, weil schlicht mehrere Heilige so heißen.

Und alle heißen sie gleich

Soll es nun der Apostel Thomas – auch "ungläubiger" Thomas genannt – sein? Der hat den Heiland immerhin persönlich gekannt und ihm die Hand in die Wunden der Kreuzigung gelegt. Dann feiern Sie am 3. Juli. Attraktiv ist aber sicher auch der große Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225 bis 1274), der einer der einflussreichsten Philosophen und Theologen der Geschichte war; Gedenktag: 28. Januar. Wenn Sie auf besondere Weise Märtyrer verehren, können Sie hingegen auch am Gedenktag des heiligen Thomas Morus (22. Juni) oder des heiligen Thomas Becket (29. Dezember) Ihren Namenstag feiern.

Und bei den Johannessen wird es noch weitaus komplizierter. Es existieren rund 200 Heilige und Selige, die den Namen Johannes oder eine Variante davon tragen. Da geht es von biblischen Heiligen wie dem Täufer Johannes und dem Apostel Johannes über große Heilige der Geschichte wie Johannes Chrysostomos und den Pfarrer von Ars, Johannes-Maria Vianney, bis hin zu noch recht jungen Heiligen wie den beiden Päpsten Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

Wer also seinen Namenstag (wieder) feiern möchte und sich beim Namenspatron unsicher ist, der schaut am besten einmal in die Biographien der Heiligen, die infrage kommen. Die Entscheidung ist Geschmackssache. Einen Überblick über die vielen Heiligen der Kirche und ihre Gedenktage kann man sich hier verschaffen.

Von Tobias Glenz

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