Wenn aus Zahlen Gesichter werden

Flüchtlingsdrama und Hirntod: Beiträge zu ganz unterschiedlichen Themen, die existenzielle Fragen stellen, sind mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet worden. Die Redner gingen auch auf die Rolle der Medien ein.

Auszeichnungen | Bonn - 02.11.2015

Das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa und Eltern, deren 14-jährige Tochter den Hirntod erleidet: Es waren Werke über existentielle Themen, die die Jury des Katholischen Medienpreises in diesem Jahr überzeugten. Am Montagabend wurde die Auszeichnung in München bei einem Festakt verliehen.

In der Kategorie Elektronische Medien ging sie an den ARD-Fernsehbeitrag "Tod vor Lampedusa. Europas Sündenfall" von Natalie Amiri und Ellen Trapp. In der Kategorie Print wurde der Artikel "Herzenssache" aus dem "Zeit"-Magazin ausgezeichnet, in dem Nataly Bleuel die Geschichte eines Ehepaares erzählt, das innerhalb von kürzester Zeit entscheiden muss, ob der nach einem Unfall hirntoten Tochter Organe für eine Spende entnommen werden dürfen.

Marx: Wahrhaftigkeit als Maßstab für Berichterstattung

In seiner Ansprache würdigte der Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, die Rolle des Journalismus für die Gesellschaft – auch in Bezug auf die aktuelle Berichterstattung: "Wir sind froh über die Haltung der Journalistinnen und Journalisten im aktuellen Flüchtlingsdrama, denn Sie gestalten ein menschenwürdiges und den Menschen gerechtes Gemeinwesen wesentlich mit", erklärte der Erzbischof von München und Freising.

Gleichzeitig mahnte er, nach dem Maßstab der Wahrhaftigkeit vorzugehen: "Wer gewissenhaft recherchiert, Zusammenhänge sachlich richtig darstellt und unmissverständlich publiziert, kann jede Qualifizierung als ,Lügenpresse‘ getrost und souverän ignorieren". Wer einen wahrhaftigen Journalismus der Lüge bezichtige, habe selbst ein Problem mit der Realität. Als "Lügenpresse" hatten jüngst einige Anhänger von "Pegida" (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) die Medien bezeichnet und damit auf eine aus ihrer Sicht verzerrte Berichterstattung hingewiesen. Der Begriff wurde 2014 zum "Unwort des Jahres" gewählt.  

Symbolbild Katholischer Medienpreis
Der Katholische Medienpreis wird in Bonn vergeben.
 Tobias Böcher/katholisch.de

Ähnlich wie Kardinal Marx wies auch Joachim Frank, Vorsitzender der Gesellschaft katholischer Publizisten, darauf hin, dass Journalisten sich Glaubwürdigkeit durch Qualität, Sorgfalt, klare Werte erarbeiten müssten. "Vertrauen können wir nicht erlangen, sondern nur durch Worte verdienen". Wie das gelinge, zeigten die Träger des Katholischen Medienpreises beispielhaft.

Abstraktes Thema wird greifbar

Der ausgezeichnete ARD-Beitrag berichtet ausgehend von der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa im Oktober 2014, bei der knapp 400 Menschen ums Leben kamen, über den Weg der Flüchtlinge von Afrika nach Europa. Für Laudator Michael Hirz, Programmgeschäftsführer des Fernsehsenders "Phoenix", ist es den beiden Autorinnen Natalie Amiri und Ellen Trapp mit ihrem Film vor allem gelungen, ein oft abstraktes Thema greifbar zu machen: "Wenn aus Zahlen Gesichter werden, wenn Statistiken in Einzelschicksalen konkret werden, dann begreifen wir überhaupt erst wirklich, worum es bei einem so großen Menschheitsdrama wie der Flüchtlingsfrage geht", so Hirz.

Die Laudatio für den Artikel "Herzensache" hielt Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Das Thema Organspende sei eines der schwierigsten und heikelsten, die es für den Journalismus gebe: "Nataly Bleuel nähert sich dem Thema mit großer Sensibilität und ohne fertige Antworten. Sie lässt den Leser denken. Das ist die besondere Qualität ihres preisgekrönten Textes".

Der Katholische Medienpreis ist in beiden Kategorien mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Er wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten und dem Katholischen Medienverband ausgeschrieben. Die diesjährigen Preisträger wurden aus 176 Beiträgen ausgewählt – 61 in der Kategorie Printmedien, 116 in der Kategorie Elektronische Medien.

Sechsköpfige Jury

Der sechsköpfigen Jury stand der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst vor, der auch Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist. Er konnte an der Preisverleihung wegen einer Erkrankung nicht teilnehmen. Zur Jury gehörten außerdem die Journalisten Andrea Rübenacker (Deutsche Welle, Bonn), Albert Herchenbach (stadtgottes, Nettetal), Stefan Kläsener (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag, Flensburg), Wolfgang Küpper (Bayerischer Rundfunk, München) und Anian Christian Wimmer (Chefredakteur der deutschen Ausgabe der Catholic News Agency (CNA), München).

Neben den Hauptpreisen vergab die Jury auch mehrfach die Auszeichnung "journalistisch WERTvoll". Im Bereich "Printmedien" erhielt sie Andreas Unger (Artikel "Die Kraft der Vergebung" im Stern) und im Bereich "Elektronische Medien" Christian Heynen für den Beitrag "Schnitzeljagd – Finde den Schatz von Polen" auf "KiKA".

Linktipp: Weitere Informationen der Deutschen Bischofskonferenz

Weitere Informationen zum Katholischen Medienpreis 2015, wie etwa die Dokumentationen der gehaltenen Reden, finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz.

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Von Gabriele Höfling

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