Wer? Wo? Wann? Warum?

Kaum ein kirchliches Thema wurde in den letzten Monaten so kontrovers diskutiert: An den Ergebnissen der bevorstehenden Bischofssynode zur Ehe- und Familienpastoral sind deshalb alle Gläubigen interessiert. Bei ihrem Treffen im Vatikan arbeiten die Bischöfe allerdings hinter verschlossenen Türen. Der Münchener Kirchenrechtler Stephan Haering erklärt für katholisch.de, was dort ab Sonntag passiert:

Familiensynode | München - 02.10.2014

Kaum ein kirchliches Thema wurde in den letzten Monaten so kontrovers diskutiert: An den Ergebnissen der bevorstehenden Bischofssynode zur Ehe- und Familienpastoral sind deshalb alle Gläubigen interessiert. Bei ihrem Treffen im Vatikan arbeiten die Bischöfe allerdings hinter verschlossenen Türen. Der Münchener Kirchenrechtler Stephan Haering erklärt für katholisch.de, was dort ab Sonntag passiert:

Um was geht es?

Vom 5. bis 19. Oktober 2014 tagt in Rom die Bischofssynode und beschäftigt sich mit Fragen der Pastoral von Ehe und Familie. Ihr offizieller Titel ist "Die pastoralen Herausforderungen im Hinblick auf die Familie im Kontext der Evangelisierung". Papst Franziskus will dieses Thema dieses Jahr und im Oktober 2015 von der Synode behandeln lassen, weil er auf diesem Gebiet einen großen Bedarf an Beratung und Orientierung sieht.

Wie wurde die Synode vorbereitet?

Zur Vorbereitung der Synode wurde im November 2013 von Rom ein Dokument versandt, das der Erhebung der Situation in allen Teilen der Weltkirche diente. Es enthielt einen umfangreichen Fragebogen, durch dessen Beantwortung die Teilkirchen ihre Beiträge in die Synode einbringen konnten. Erstmals wurden in einigen Ländern, darunter Deutschland, auch die Gläubigen direkt befragt. Am 24. Juni dieses Jahres publizierte das Generalsekretariat der Bischofssynode dann das "Instrumentum laboris", das der Synodenversammlung als gemeinsame Arbeitsgrundlage und Referenztext dient; darin sind auch die verschiedenen Eingaben der Teilkirchen eingeflossen.

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Wie ist die Synode zusammengesetzt?

Bei der Versammlung im Oktober 2014 handelt sich um eine außerordentliche Generalversammlung der Bischofssynode. Damit sind bestimmte Regeln für den Teilnehmerkreis verbunden, die sich aus der Synodenordnung aus dem Jahr 2006 ergeben. Demnach setzt sich die Synode aus den leitenden Bischöfen der orientalischen Kirchen, den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und den Leitern der kurialen Dikasterien zusammen; außerdem kommen drei Ordensobere hinzu. Darüber hinaus hat der Papst 26 weitere stimmberechtigte Mitglieder ernannt.

Es gibt unter den Teilnehmern dieser Versammlung nur einen deutschen Diözesanbischof, nämlich Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Die eigentlichen Mitglieder der Synode werden in ihrer Arbeit unterstützt von Experten. Ferner nehmen weitere Personen, darunter auch Vertreter nichtkatholischer Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften, ohne Stimmrecht teil; sie haben aber die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen. Darunter ist aus Deutschland die Theologin Ute Eberl. Sie ist Familienreferentin in der Erzdiözese Berlin. Insgesamt hat diese Synode 253 Teilnehmer, davon 191 stimmberechtigte Synodenväter.

Wer leitet die Synode?

Der Vorsitz der Synode liegt bei Papst Franziskus, der sich in der Leitung der Sitzungen durch drei Kardinäle als delegierte Präsidenten vertreten lässt. Wichtig ist die Funktion des Generalrelators der Synodenversammlung. Seine Aufgabe besteht darin, zu Beginn in das Thema der Synode einzuführen und die Inhalte der synodalen Debatte in einem Bericht zusammenzufassen. Bei dieser Synode amtiert der ungarische Kardinal Péter Erdő, Erzbischof von Esztergom-Budapest und Vorsitzender des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen, als Generalrelator.

Welchen Rahmen hat die Synode?

Die Kirche hat in ihren Synoden immer geistliche Ereignisse gesehen und diesem grundlegenden Charakter in der Gestaltung Rechnung getragen. So wird auch diese Bischofssynode mit der gemeinsamen Feier der Eucharistie eröffnet und abgeschlossen. An den einzelnen Sitzungstagen werden die Zusammenkünfte vom gemeinsamen Gebet der Teilnehmer geprägt. Und die ganze Kirche ist aufgerufen, die Beratungen der Synode mit Gebet zu begleiten

Wie arbeitet die Synode?

Der Großteil der Synodenarbeit wird in den Generalversammlungen aller Teilnehmer geleistet. Dort tragen alle Teilnehmer, die sich zu Wort gemeldet haben, ihre Beiträge zu Aspekten des Gesamtthemas vor. Neu ist dieses Mal, dass die Wortmeldungen zwar schriftlich eingereicht werden, in der Versammlung aber in freier Rede vorgetragen werden. Die Abfolge der Redner wird durch das Sekretariat der Synode koordiniert. Bei der Bischofssynode 2005 hat Papst Benedikt XVI. auch die Möglichkeit geschaffen, in eine freie Diskussion einzutreten und so der Synodenarbeit eine größere Unmittelbarkeit und Frische zu geben.

Die Synodenordnung sieht auch die Möglichkeit vor, die Arbeit teilweise in sprachlich homogenen Kleingruppen zu leisten; sie werden aus etwa 25 bis 50 Teilnehmern gebildet. Ob man bei dieser Synode solche Kleingruppen einrichten wird, bleibt abzuwarten. Die relative Kürze der Tagung – nur zwei Wochen gegenüber den sonst üblichen drei Wochen bei einer ordentlichen Generalversammlung – könnte dazu führen, dass man stets im Plenum versammelt bleibt.

Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Von dieser Synode ist noch kein abschließendes Dokument zu erwarten, weil das Thema im kommenden Jahr von einer neuen Synodenversammlung weiter diskutiert werden soll. Die vorläufige Offenheit vieler Einzelfragen der Synode könnte eher dazu beitragen, dass die Teilnehmer am Ende der Tagung manche "Hausaufgabe" in ihre Teilkirchen und Gemeinschaften mitnehmen. Daraus kann in den kommenden Monaten eine Fortsetzung der synodalen Diskussion außerhalb der Synodenaula entstehen.

Zur Person

Dr. Dr. Stephan Haering OSB ist Professor für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2005 wurde er von Papst Benedikt XVI. als Mitarbeiter des Sondersekretariats für die XI. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode berufen.

Von Stephan Haering

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