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Wo Donau und Tiber sich treffen

Papst Franziskus hat sein Bestes dafür getan, dass sich der neue Kardinal Gerhard Ludwig Müller auch in Rom wie zu Hause fühlen kann. Auf die Donau jedenfalls muss der frühere Regensburger Bischof auch in der Tiberstadt nicht verzichten. Der Papst teilte ihm als Titel-Diakonie die Kirche Sant'Agnese in Agone zu. Der barocke Bau liegt nicht nur an einem der berühmtesten Plätze Roms, der Piazza Navona, sondern auch vor dem Vier-Ströme-Brunnen von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680).

Kirche | Rom - 14.09.2014

Papst Franziskus hat sein Bestes dafür getan, dass sich der neue Kardinal Gerhard Ludwig Müller auch in Rom wie zu Hause fühlen kann. Auf die Donau jedenfalls muss der frühere Regensburger Bischof auch in der Tiberstadt nicht verzichten. Der Papst teilte ihm als Titel-Diakonie die Kirche Sant'Agnese in Agone zu. Der barocke Bau liegt nicht nur an einem der berühmtesten Plätze Roms, der Piazza Navona, sondern auch vor dem Vier-Ströme-Brunnen von Gian Lorenzo Bernini (1598-1680).

Ihn zieren vier Flussgötter, einer davon symbolisiert die Donau. Zusammen mit Ganges, Nil und Rio della Plata stand sie für die großen Flüsse der damals bekannten Erdteile. Bei einer Messe am heutigen Sonntag übernimmt Müller in dieser "heimatnahen" wie "kosmopolitischen" Atmosphäre seine Titelkirche.

Als Zeichen ihrer Nähe und Verbundenheit mit dem Papst erhalten Kardinäle bei ihrer Erhebung jeweils eine Titeldiakonie oder -kirche im Bistum Rom, die dann ihr Wappen trägt. Damit zählen sie als Diakone oder Pfarrer formell zum Klerus der Stadt des Papstes - der in früheren Zeiten von den Geistlichen der Ewigen Stadt gewählt wurde. Franziskus hatte den früheren Regensburger Bischof beim Konsistorium am 22. Februar ins Kardinalskollegium aufgenommen. Müller ist seit Sommer 2012 Präfekt der Glaubenskongregation. Und nun auch Titelherr einer der schönsten Kirchen seiner jetzigen Heimatstadt.

Prägende Kulisse an der Piazza Navona

Mit ihrer mächtigen Kuppel und den beiden baldachinartigen Glockentürmen prägt Sant'Agnese in Agone die Kulisse des Platzes. Erbaut wurde die Kirche von 1652 bis 1689 unter anderen von Francesco Borromini (1599-1667). Ihr Stifter war Papst Innozenz X. (1644-1655). Der Papst aus der Familie der Pamphilj, deren Palast sich unmittelbar an das Gotteshaus anschließt, ist in der Kirche auch begraben. Heute befindet sich im Pamphilj-Palast neben Sant'Agnese die brasilianische Botschaft für Italien.

Sant'Agnese in Agone erhebt sich an dem Ort, an dem im 3. Jahrhundert der Legende nach die christliche Jungfrau Agnes vor ihrem Martertod nackt der Menge vorgeführt werden sollte; durch ein Wunder sei sie plötzlich von einer üppigen Haarpracht verhüllt worden. Der Zusatz "in Agone", zu Deutsch "auf dem Kampfplatz" erinnert daran, dass sich die Kirche und der Platz auf den Fundamenten des ehemaligen Stadions von Kaiser Domitian befindet, einer antiken Wettkampfstätte.

Kunsthistorisch bedeutsam ist die Kirche vor allem wegen ihres dynamisch geschwungenen Außenbaus und ihrer Grundform, einem Quadrat mit abgeschrägten Ecken, dessen Seiten sich zu vier Kreuzarmen öffnen. Beherrscht wird der Innenraum von der hohen Kuppel. Das architektonische Vorbild von Sant'Agnese hat bis in Müllers alte Heimat, den süddeutschen Raum, gewirkt.

Eine der kunsthistorisch bedeutsamsten Kirchen in Rom

Titeldiakonien wie Sant'Agnese vergibt der Papst an jene Kardinäle, die Kurienämter bekleiden. Die Bischöfe der Weltkirche erhalten hingegen Titelkirchen; diese sind römische Pfarrkirchen. Die Titeldiakonien gehen auf kirchliche Sozialstationen im spätantiken Rom zurück. Vor Müller war die Kirche dem italienischen Kardinal Lorenzo Antonetti zugeteilt. Die Kardinäle feiern in ihren Titeldiakonien oder -kirchen allerdings nur gelegentlich einen Gottesdienst. Denn für die tägliche Seelsorgearbeit von Messfeiern über Taufen und Trauungen bis zum Kommunionsunterricht ist weiterhin der Gemeindepfarrer mit seinen Kaplänen zuständig. Mitunter gibt es aber auch engeren Kontakt zwischen einem Kardinal und seiner Titelgemeinde, bis hin zur Übernahme von Patenschaften.

Unter den jetzt zehn deutschen Kardinälen kann sich Müller mit seiner Titeldiakonie allemal sehen lassen: Der Präfekt der Glaubenskongregation hat zweifellos eine der schönsten und kunsthistorisch bedeutsamsten Kirchen unter seinen Landsleuten. Nur die Titelkirchen von Kardinal Friedrich Wetter, dem Münchener Alterzbischof, und von Kardinal Joachim Meisner können da mithalten. Wetter hat Santo Stefano Rotondo und Meisner Santa Pudenziana erhalten. Beide Kirchen zählen zu den bedeutendsten spätantiken Gotteshäusern Roms.

Von Thomas Jansen und Christoph Schmidt (KNA)

Stichwort: Titelkirche

Jedem Kardinal wird bei seiner Erhebung in den Kardinalsstand eine Titelkirche in Rom zugewiesen, an der er pro forma Pfarrer oder Diakon ist. Auf diese Weise kommt auch symbolisch die Bindung der Kardinäle an die Kirche von Rom zum Ausdruck, zugleich wird daran erinnert, dass die Päpste ursprünglich vom Klerus der Stadt Rom gewählt wurden. Für die eigentliche Seelsorge an den Titelkirchen bleiben die örtlichen Pfarrer verantwortlich. (stz)

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