Familie

Worum geht es eigentlich?

Vatikan stellt Leitfaden für Familiensynode vor

Vatikanstadt - 25.06.2014

Was ist aus den Ergebnissen der vatikanischen Umfrage über Familie, Ehe und Sexualität geworden? Mit dieser Frage richten sich die Augen am Donnerstag nach Rom, wo das Arbeitspapier für die bevorstehende Familiensynode vorgestellt wird. Das Dokument bildet eine Art inhaltlichen Leitfaden für die zweiwöchigen Beratungen von Bischöfen aus aller Welt, die im Oktober im Vatikan tagen.

In die Vorbereitung waren Bistümer, katholische Organisationen und einzelne Katholiken aus aller Welt eingebunden. Der Vatikan hatte hierzu einen Katalog mit 39 Fragen an Bischofskonferenzen und Orden verschickt und die Antworten anschließend ausgewertet und zusammengefasst.

Im deutschsprachigen Raum hatte die Umfrage eine große Kluft zwischen der Lebenspraxis von Katholiken und kirchlicher Morallehre offenbart, etwa in der Beurteilung künstlicher Verhütungsmittel. Im Unterschied zu den meisten anderen Bischofskonferenzen hatten die deutschen Bischöfe die Ergebnisse publiziert.

In der öffentlichen Wahrnehmung debattieren die Bischöfe im Herbst eigentlich nur über ein einziges Thema: Dürfen wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion gehen, ja oder nein? Im Sinne des Papstes ist das allerdings nicht. Ihm habe es "nicht gefallen", dass viele Personen - auch Priester - gesagt hätten: "Aha, die Synode dient dazu, den Geschiedenen die Kommunion spenden zu können", beklagte er Ende Mai auf dem Rückweg von seiner Heilig-Land-Reise.

Auf dem Rückflug vom Weltjugendtag 2013 in Rio (29. Juli) gibt Papst Franziskus im Flugzeug eine Pressekonferenz.  KNA

Synode dient der Bestandsaufnahme

Die Bischöfe sollten sich nicht mit Einzelfällen befassen, sondern mit der globalen Krise der Familie, so Franziskus. Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, nannte jüngst als weitere konkrete Themen der Synode etwa gemischtkonfessionelle Ehen, die Frage einer Leihmutterschaft sowie die Bindungsunfähigkeit von jungen Leuten.

Auch wenn sich während der Synode eine Mehrheit für Reformen der kirchlichen Morallehre abzeichnen sollte: Damit, dass wiederverheiratete Geschiedene schon unmittelbar nach der Bischofsversammlung in Scharen zur Kommunion gehen können, ist nicht zu rechnen. Die außerordentliche Synode soll nur eine Bestandsaufnahme vornehmen.

Erst eine zweite, ordentliche Synode unter größerer Beteiligung der Ortsbischöfe soll dann im Herbst 2015 über die weitere Vorgehensweise beraten. Nach bisherigem Stand wären aber auch deren Ergebnisse nicht definitiv, weil die Bischofssynode anders als ein Konzil keine verbindlichen Beschüsse fassen kann. Der Papst hat jedoch mehrfach angekündigt, dass er die Bischofssynode als Beratungsgremium aufwerten will.

Ergebnisse der Vatikan-Umfrage keine demokratische Abstimmung

Die beiden Synoden sollten eine "angemessene Antwort auf die Erwartungen der Gläubigen" geben, hatte Kardinal Baldisseri gesagt. Um falschen Erwartungen vorzubeugen, hatte der Vatikan mehrfach klargestellt, dass die Ergebnisse der Umfrage nicht repräsentativ seien und schon gar nicht im Sinne einer demokratischen Abstimmung missverstanden werden dürften.

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Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger" Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um die Synode.  

Akademisch unterfüttert wurde dies zuletzt von der internationalen Theologenkommission, einem Beratergremium des Papstes. In seinem jüngsten Dokument betonte es, dass die Glaubenspraxis der Mehrheit nicht ausschlaggebend für Entscheidungen des kirchlichen Lehramts sein könne. Allerdings sagt die Kommission auch, in manchen Fällen sei es die Schuld des Lehramts, wenn es eine Kluft zur Glaubenspraxis gebe.

Nicht nur die Inhalte, auch die Zusammensetzung der Teilnehmer dürfte eine nicht unerhebliche Rolle für den Verlauf der Synode spielen. Hier geht es vor allem um das Zahlenverhältnis von Ortsbischöfen und Vertretern der vatikanischen Kirchenzentrale. Ortsbischöfe gelten in der Regel als aufgeschlossener gegenüber Reformen, Vertreter der römischen Kurie hingegen stehen in dem Ruf, Verteidiger des Status quo zu sein.

Spekulationen, die Zahl der Kurienkardinäle und Bischöfe, die bislang von Amts wegen zur Teilnahme an einer Bischofssynode berechtigt sind, solle reduziert werden, wurden bislang nicht bestätigt. Allerdings werden die Ortsbischöfe auf beiden Synoden auch nach bisherigem Stand die Mehrheit bilden, vor allem im Herbst 2015.

Von Thomas Jansen (KNA)

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