Interview

"Wunderbar stur"

Bonn - 23.10.2012

Der Diakon Willibert Pauels ist als Solokünstler und während der Session als Büttenredner im Kölner Karneval aktiv. Anlässlich der 1. Kabarettistischen Glaubenswoche in Bonn fragte katholisch.de den "Bergischen Jung" nach seiner Sicht zum Spannungsverhältnis zwischen Humor und Religion.

Frage: Herr Pauels, der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat den Kabarettisten Jürgen Becker verklagt, die "Titanic" stand bereits des öfteren vor Gericht, wegen ihrer beißenden Kritik an der katholischen Kirche. Fehlt es der Kirche an Humor?

Pauels: Nein, der katholischen Kirche fehlt es nicht an Humor - im Gegenteil: Bis in meine Generation steht sie in bester Tradition, humorvolle Menschen hervorzubringen, beispielsweise Günther Jauch, Jürgen von der Lippe, Thomas Gottschalk, Harald Schmidt - alles sehr katholisch sozialisierte Personen. Humor hat in der Kirche eine lange Tradition. Beispiel: Bei den Konkordatsgesprächen zwischen Napoleon und Kardinal Consalvie sprang Bonaparte auf und brüllte den Bischof an: "Eminence, ich werde die Kirche zerstören!" Darauf antwortete dieser: "Sire, das haben in all den Jahrhunderten wir Bischöfe nicht geschafft, das schaffen Sie auch nicht."

Frage: Wenn es um Lachen und Satire geht, scheint die katholische Kirche häufiger im Fokus zu stehen, als die Konkurrenz. Was macht die katholische Kirche zu einem so exponierten Ziel für Spötter?

Pauels: Die katholische Kirche ist so wunderbar stur und hat an ihrer Spitze auch noch eine Vaterfigur! Daran kann man sich herrlich abarbeiten. Was hat denn unsere "vaterlose" beziehungsweise autoritätslose westliche Welt sonst noch? Deshalb sagt Roger Willemsen: "Das einzige was heute noch am Sex aufregenden Spaß macht, ist eine katholische Erziehung." Außerdem wirft die Kirche keine Bomben, wenn sie beleidigt wird.

Frage: Darf - muss man sogar - als bekennender Katholik mit seiner Kirche härter ins Gericht gehen als Nicht-Katholiken?

Pauels: Nein, das kann jeder. Viel schwieriger ist es, die Kirche richtig lieb zu haben.

Das Interview führte Michael Richmann

Zur Person

Willibert Pauels hat katholische Theologie in Bonn und Münster studiert. Von seinem eigentlichen Ziel, Priester zu werden, wich er ab und bildete sich stattdessen zum Freizeitpädagogen aus - 1996 ließ er sich zum Diakon weihen. Seit 1996 ist Willibert Pauels mit dem Künstlernamen "Ne Bergische Jung" auch als Büttenredner im Kölner Karneval aktiv. Im Sommer hat Pauels zunächst sämtliche Auftritte abgesagt und sich wegen einer Depression in eine Klinik begeben. Vom Karneval hat sich der "Bergische Jung" vorerst verabschiedet, hat aber bereits angekündigt, dass er im Frühjahr 2013 mit seinem Solo-Programm auf die Bühne zurückkehren wird.

Kabarettistische Glaubenswoche

Für die 1. Kabarettistische Glaubenswoche in der Bonner Paulus-Kirche hat der Pfarrer Siegfried Eckert Kabarettisten jedweder Coleur engagiert, um eine Woche lang jeden Abend über verschiedene Aspekte des Glaubens und des Lebens zu reden. Zwischen dem 22. und dem 29. Oktober treten unter anderem Vince Ebert, Oliver Polak und Jürgen Becker auf.

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