Zahl der Missbrauchsopfer in Deutschland steigt

Die Zahl der Opfer sexueller Gewalt in Deutschland ist gestiegen, wie aus einer neuen Studie hervorgeht. Besonders eine Art von Misshandlungen trat demnach vermehrt auf.

Missbrauch | Berlin - 16.03.2017

Laut einer neuen Studie ist die Zahl der Opfer von sexueller Gewalt in Deutschland angestiegen. In einer Untersuchung gaben 13,9 Prozent der Befragten an, in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein, wie der Ulmer Mediziner Jörg M. Fegert am Donnerstag in Berlin mitteilte. Im Jahr 2011 seien es dagegen 12,6 Prozent gewesen.

Bei den Frauen habe es in dem Zeitraum einen Anstieg von 15,2 auf 18 Prozent in diesem Jahr gegeben. Bei den Männern sei die Häufigkeit mit rund 9,5 Prozent etwa gleich geblieben. Damit könne von einer Entwarnung oder von einem Rückgang nicht die Rede sein. Zu diesem Ergebnis war eine Studie der Kriminologischen Forschungsstelle Niedersachsen vor rund sechs Jahren gekommen.

Mehr emotionale Misshandlungen

Zudem habe es einen signifikanten Anstieg bei der emotionalen Misshandlung gegeben. Die Häufigkeit sei von 4,6 auf 6,5 Prozent gestiegen. Auch sei der Anstieg im wesentlichen auf höhere Zahlen bei den Frauen zurückzuführen. Dagegen blieben die Häufigkeiten bei körperlicher Misshandlung mit rund 6 Prozent auf etwa gleichem Niveau. Ein Rückgang finde sich bei der körperlichen Vernachlässigung (28,8 Prozent im Jahr 2011 und 22,5 Prozent im Jahr 2017).

Laut Fegert sind die Spätfolgen von Missbrauch dramatisch. Es gebe klare Zusammenhänge mit der Schwere der erlebten Traumata und Suizidversuchen und selbstverletzendem Verhalten. Auch Schmerzen und körperliche Erkrankungen würden von den Betroffenen deutlich häufiger genannt.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, betonte bei der Präsentation, ein Rückgang der hohen Fallzahlen könne nur erreicht werden, wenn mehr in Prävention und Hilfen investiert werde. Die Studie wurde im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie durchgeführt, der vom 22. bis zum 25. März in Ulm stattfindet. Befragt wurden rund 2.500 Personen, die durchschnittlich 48 Jahre alt waren. (KNA)

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Der Missbrauchsskandal erschütterte die katholische Kirche in ihren Grundfesten. Seit 2010 die ersten Fälle bekannt wurden, bemüht sich die Kirche um Aufarbeitung der Geschehnisse. Katholisch.de dokumentiert die wichtigsten Etappen.

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