Zehn biblische Geschwistergeschichten

Heute ist der "Tag der Geschwister"! Und natürlich ist auch die Bibel voll von Brüdern und Schwestern. Dabei geht es von Anfang an nicht nur harmonisch zu, wie das Beispiel von Kain und Abel zeigt.

Tag der Geschwister | Bonn - 10.04.2018

In Zeiten des Internets begegnet uns der US-amerikanische "Tag der Geschwister" auch hierzulande. Während viele in den Sozialen Netzwerken Erinnerungen an ihre Kindheit mit Schwestern und Brüdern teilen, zeigt katholisch.de zehn Geschwister-Konstellationen aus der Bibel.

Kain und Abel

Es geht brutal los: Gleich bei den ersten Geschwistern, die in der Bibel genannt werden, ermordet der eine den anderen. Der erstgeborene Kain ist wütend, weil Gott das Opfer seines kleinen Bruders Abel annimmt, seines aber nicht. Der Ackerbauer Kain hört nicht auf die Warnung Gottes vor der Sünde und tötet den Hirten und Nomaden Abel. Der Neid, ein starkes Gefühl unter Geschwistern, ist das zentrale Motiv von Kain. Und Gott? Er wendet sich dennoch dem Sünder zu und sorgt dafür, dass Kain zwar bestraft, aber nicht von anderen getötet wird. Bibelstelle: Gen 4

Abraham schickt Hagar und Ismael in die Wüste. Sara und Isaak sehen im Hintergrund zu.
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Isaak und Ismael

Sie sind Halbbrüder mit großem Altersabstand: Ismael ist das erste Kind von Abraham, geboren von Hagar, der ägyptischen Magd von Abrahams Frau Sara. 14 Jahre später bekommt die 90-jährige Sara ihren Sohn Isaak und stört sich nach seiner Entwöhnung an dem Erstgeborenen Abrahams. Als Sara Konflikte Isaaks mit Ismael befürchtet, lässt sie Hagar und ihren Sohn mit wenig Proviant in die Wüste schicken. Im Auftrag Gottes rettet ein Engel die beiden vor dem Verdursten; Ismael heiratete eine Frau aus Ägypten. Wie sein Verhältnis zu Isaak war, berichtet die Bibel nicht, aber ganz getrennt voneinander können die Halbbrüder nicht gelebt haben: Als ihr Vater im gesegneten Alter von 175 Jahren starb, begruben sie ihn gemeinsam in einer Höhle. Bibelstellen: Gen 16, 21 und 25

Nach vielen Jahren des Streits und ohne Kontakt versöhnen sich Jakob und Esau wieder. Esau küsst seinen jüngeren Zwillingsbruder, der ihn einst um sein Erstgeburtsrecht und um den Segen des Vaters gebracht hat.
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Jakob und Esau

Bei diesen Zwillingen fing der Konflikt schon im Mutterleib an. Der kleine Jakob hielt schon bei der Geburt Esau an seiner Ferse fest, als wollte er ihm die Erstgeburt nicht gönnen. Die beiden sind so unterschiedlich wie zweieiige Zwillinge nur sein können – und dennoch gibt es nach vielen Konflikten und langer Trennung ein Happy End. Der dunkelhäutige und behaarte Jäger Esau war ein Vaterkind und der Liebling Isaaks; der zarte, aber listige Jakob war der Liebling von Mutter Rebekka. Für eine Linsensuppe Jakobs verkauft der hungrige Esau sein Erstgeburtsrecht, später erschleicht sich Jakob bei seinem blinden Vater den Segen. Esau schwört daraufhin, seinen Bruder umzubringen, sobald der Vater stirbt. Jakob flieht zu einem Verwandten und als er nach 20 Jahren zurückkehrt, ist er mit Geschenken reich beladen, um Esau zu besänftigen. Dieser fällt Jakob um den Hals und will von den Geschenken nichts wissen, weil er selber genug hat. Auch sie begraben ihren Vater gemeinsam. Bibelstellen: Gen 25-28 und 32-33

Lea und Rahel

Zwei Schwestern, beide mit demselben Mann verheiratet, und jede von ihnen hat ihr Päckchen zu tragen. Die jüngere Rahel ist die Schöne, die von Jakob geliebt wird – um sie heiraten zu können, arbeitet er sieben Jahre bei ihrem Vater – aber sie bleibt vorerst unfruchtbar. Die ältere Lea, deren Augen "matt waren", wurde Jakob in der Hochzeitsnacht untergeschoben – sie aber schenkt ihm ein Kind nach dem anderen. Rahel wird eifersüchtig auf ihre Schwester und schickt ihre Magd zu Jakob, damit sie durch sie zu zwei Kindern kommt. Später streiten sich die beiden Frauen um die Alraunen, die Leas Erstgeborener Ruben auf dem Feld pflückt – die Pflanze soll die Fruchtbarkeit erhöhen. Erst nachdem Lea sechs Söhne und eine Tochter geboren hat, bekommt auch Rahel ein Kind, Josef. Während der schweren Geburt ihres zweiten Sohnes Benjamin stirbt sie. Lea erlebt noch die Aussöhnung von Jakob mit Esau und den Kummer ihres Mannes um seinen scheinbar toten Lieblingssohn Josef. Beide Frauen gelten als Erzmütter Israels. Bibelstellen: Gen 29-30 und 35

Ein Glasfenster aus der Sainte-Chapelle de Paris zeigt Josef, wie er von seinen Brüdern verkauft wird.
Ein Glasfenster aus der Sainte-Chapelle de Paris zeigt Josef, wie er von seinen Brüdern verkauft wird.
 Pierre-Emmanuel Malissin,Frédéric Valdes, galerie.roi-president.com CC BY-SA 3.0

Josef, seine Brüder und ihre Schwester Dina

13 Kinder von vier Frauen hat Jakob. In der konfliktreichen Patchwork-Familie halten vor allem die sechs Söhne Leas zusammen. Als etwa ihre Schwester Dina von dem Sohn des Landesfürsten Sichem vergewaltigt wird und die Väter sich auf eine Heirat der beiden – und gegen Blutvergießen – einigen, greifen ihre Brüder Simeon und Levi nach ihren Schwertern und bringen alle Männer aus Sichems Stadt um. Auch gegen Jakobs Lieblingssohn Josef verbünden sie sich und wollen ihn wegen seiner Träume töten, die sie für überheblich halten. Der älteste, Ruben, kann sie dazu überreden, ihn stattdessen nur in eine Zisterne zu werfen. Levi sorgt dafür, das Josef als Sklave an Kaufleute verkauft wird und den Vater machen sie glauben, dass ein Tier Josef zerrissen habe. Derweil bringt es Josef in Ägypten zum Traumdeuter und Landwirtschaftsminister und sieht seine zehn Halbbrüder erst wieder, als sie während einer Hungersnot zu ihm kommen. Er gibt sich nicht zu erkennen und verlangt, dass sie den jüngsten, Benjamin, zu ihm bringen, seinen einzigen Bruder. Als die Brüder erkennen, dass ihr Vater drauf und dran ist, auch noch Benjamin zu verlieren, bereuen sie ihre Taten und bringen Josef zum Weinen. Er gibt ihnen noch weitere Prüfungen auf, bis er erkennt, dass sie sich geändert haben und sich zu erkennen gibt. Die ganze Familie zieht nach Ägypten. Bibelstellen: Gen 34, 37, 42-45

Mirjam, Mose und Aaron

Diese drei sind ein Geschwistergespann, das sich gegenseitig ergänzt. Mose ist der bekannteste als derjenige, vor dem Gott sprach, der mit seinem erhobenen Stab für eine Teilung des Meeres sorgte und der das Volk Israel aus Ägypten führte. Aber er wäre nicht weit gekommen ohne Aaron, denn Mose ist, wie er sagt, "keiner, der gut reden kann". Gott schickt den Leviten Aaron zu Mose, damit er vor dem Volk spricht und mit dem Pharao verhandelt. Die dritte im Bunde ist die Prophetin Mirjam, die mit einem kurzen Lied, Paukenschlag und Tanz alle Frauen dazu bringt, den Durchzug durch das Meer zu feiern. Sie spielt auch an anderen wichtigen Lebenspunkten des Mose eine Rolle: So soll Mirjam die Schwester gewesen sein, die sah, wie ihr Bruder als Baby aus dem Schilfkörbchen gerettet wurde. Später stellt sie mit Aaron die alleinige Autorität Moses in Frage und wird deswegen für kurze Zeit mit dem Aussatz bestraft. Auch Aaron handelte nicht immer richtig: Er war es, der das Goldene Kalb anfertigte. Schließlich zeigte auch Mose gegenüber Gott Ungehorsam und durfte das verheißene Land Kanaan nicht betreten. Bibelstellen: Das Buch Exodus (v.a. Ex 3-5, 15 und 32), Num 12 und 20

Die Verklärung Christi
Petrus und die Brüder Jakobus und Johannes (unten) waren Zeugen der "Verklärung Christi" auf dem Taborberg.
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Brüderpaare bei den Aposteln

Im Neuen Testament beruft Jesus gleich zwei Brüderpaare in seinen Apostelkreis: Simon und Andreas sowie Jakobus und Johannes Zebedäus. Alle vier gehören zu den Erstberufenen und nehmen an bedeutenden Ereignissen in Jesu Leben teil. Der Fischer Andreas stammte aus Betsaida und war zunächst Jünger Johannes des Täufers. Nach der Überlieferung predigte er später den Glauben im Gebiet des Schwarzen Meeres und in Griechenland. Hier erlitt er in Patras am 30. November 60 den Märtyrertod an einem x-förmigen Kreuz. Andreas gewann seinen Bruder Simon Petrus für Jesus. Er, der Jesus während der Passion dreimal verraten hat, wird in allen Apostelverzeichnissen als Erster genannt. Nach dem Weggang Jesu übernahm er die Führung der Gemeinde in Jerusalem. Seine letzte Missionsreise führte ihn nach Rom, wo er zwischen 64 und 67 als Märtyrer starb.

Jakobus und sein jüngerer Bruder Johannes, Söhne des Fischers Zebedäus und der Salome, fallen in den Evangelien wiederholt auf. Wegen ihres ungestümen Temperaments nannte Jesus sie "Donnersöhne". Jakobus war Zeuge der Verklärung Jesu und auch seines Gebets am Ölberg. Als Erster der Zwölf erlitt er den Märtyrertod; König Herodes Agrippa I. ließ ihn ums Jahr 44 mit dem Schwert hinrichten. Seine Gebeine im spanischen Santiago de Compostela machen die Stadt zu einem berühmten Wallfahrtsort. Johannes wird nach katholischer Tradition mit dem Verfasser des vierten Evangeliums und dreier Briefe gleichgesetzt. Ihm vertraute Jesus am Kreuz seine Mutter an. Nach der Überlieferung soll er später die Kirche von Ephesus geleitet haben bis er während der Christenverfolgung unter Domitian auf die Insel Patmos verbannt wurde, wo er die Offenbarung geschrieben und um 100 gestorben sein soll. Bibelstellen: u.a. Mt 4, Mk 1, Lk 6, Joh 1, Apg 1

Die Auferweckung des Lazarus auf einem Deckenfresko der römischen Kirche Santa Maria Maddalena. Die beiden Schwestern Marta und Maria weinen um ihren verstorbenen Bruder, den Jesus aus dem Grab holt.
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Maria, Marta und Lazarus

Geschwistertrio von Bethanien gehörte zu den engen Freunden Jesu. Maria ist diejenige, die sich bei einem Hausbesuch Jesu dem Herrn zu Füßen setzt und ihm zuhört. Ihre Schwester Marta sorgt für die Bewirtung und beschwert sich bei Jesus darüber, dass sie mit der Arbeit alleingelassen wird. Dieser erwidert, dass sie sich viele Sorgen und Mühen mache, aber nur eines notwendig sei: "Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden". So steht Maria für den kontemplativen Lebensstil und Marta für den aktiven. Sie läuft Jesus auch entgegen, als er den kranken Lazarus besuchen will, der inzwischen gestorben ist. Marta bekannt, dass die an die Auferstehung glaubt und an ihn als Christus, den Sohn Gottes. Jesus ist erschüttert von der Trauer der Schwestern, befiehlt dem seit vier Tagen toten Lazarus, aufzustehen, und erweckt ihm zum Leben. Bibelstellen: Lk 10 und Joh 11

Die Söhne vom barmherzigen Vater

Das letzte Geschwisterpaar stammt aus einem Gleichnis, das Jesus erzählt. Und es klingt bis heute hochaktuell: Da ist der jüngere Sohn, der sein Erbe einfordert und es schnell verprasst. Da ist der ältere Sohn, der stets Verantwortung übernimmt und bei seinem Vater treu arbeitet. Der Jüngere lernt die Armut, den Hunger und die Isolation kennen und beschließt, reumütig zurückzukehren und bei seinem Vater als Tagelöhner zu arbeiten. In dem Moment, in dem der barmherzige Vater seinem Sohn verzeiht, ihn neu einkleidet und ein Fest organisieren lässt, wäre ein Hollywood-Film wohl zu Ende. Aber Jesus berichtet auch von den Gefühlen des anderen Bruders, der nie auch nur eine Party mit seinen Freunden feiern konnte: Er ist zornig, fühlt sich ungerecht behandelt und distanziert sich von seinem Bruder, indem er ihn als "der hier, dein Sohn" bezeichnet. Auch ihn lässt der Vater nicht allein und macht ihm keine Vorwürfe. Er lädt ihn dazu ein, mitzufeiern, denn sein Bruder "war verloren und ist wiedergefunden worden".

Ob der ältere Bruder die Einladung annahm, wird nicht berichtet. Das Gleichnis lässt damit Raum, um am "Tag der Geschwister" – oder an jedem anderen Tag – über das Verhältnis zu den eigenen Schwestern, Brüdern und Halbgeschwistern nachzudenken. Bibelstelle: Lk 15

Von Agathe Lukassek

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