"Zielscheibe von Terrorakten"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg die weltweite Verfolgung von Christen beklagt. "Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen", sagte der Freiburger Erzbischof am Donnerstag bei einer Bibelarbeit mit mehreren hundert Teilnehmern. "Christen werden immer häufiger Zielscheibe von Gewalt und Terrorakten."

Kirchentag | Hamburg - 02.05.2013

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat auf dem Evangelischen Kirchentag in Hamburg die weltweite Verfolgung von Christen beklagt. "Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen", sagte der Freiburger Erzbischof am Donnerstag bei einer Bibelarbeit mit mehreren hundert Teilnehmern. "Christen werden immer häufiger Zielscheibe von Gewalt und Terrorakten."

Zollitsch nannte gewalttätige Übergriffe auf christliche Gemeinden und staatliche Repressionen. Ein Beispiel sei Ägypten: "Der arabische Frühling, der nach Freiheit und Demokratie strebte, ist vielerorts zum Herbst und teilweise sogar zum bitteren Winter umgeschlagen." Radikale muslimische Kräfte gewännen die Oberhand. Vor allem in Ägypten, aber auch in afrikanischen Ländern und im Vorderen Orient, etwa in Syrien, bekämen die Christen dies zu spüren.

Zollitsch ruft Politiker und alle Christen zu Solidarität mit den Verfolgten auf

Der Erzbischof mahnte mehr Solidarität mit bedrängten Christen weltweit an: "Die Politik, jeder einzelne Politiker bei uns, ist dazu aufgerufen, auf die Staaten einzuwirken, die Menschen nicht vor Übergriffen aufgrund ihres Glaubens schützen oder gar um ihres Bekenntnisses zu Christus willen verfolgen." Auch jeder einzelne Christ könne sich einsetzen, etwa durch gesellschaftliches und politisches Engagement und Gebete für die Unterdrückten, sagte Zollitsch. Die Kirchentagsbesucher sollten alles Mögliche tun, um politisch auf die Missstände einzuwirken und zugleich die bedrängten Christen unterstützen, indem sie deren Sorgen und Nöte in ihrem Gebet vor Gott trügen.

Ein T-Shirt mit der Losung des 34. Evangelischen Kirchentags in Hamburg.
Ein T-Shirt mit der Losung des 34. Evangelischen Kirchentags in Hamburg.
 picture alliance / dpa

Zollitsch warnte, dass christliches Engagement ohne Rückbindung an Gott zu Aktionismus zu werden drohe. Ebenso verfehle reines Vertrauen darauf, "dass Gott schon alles richten" werde, die Bestimmung des Menschen. Christen seien von Gott beauftragt, in der Welt zu handeln und sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Menschliches Engagement und das Vertrauen auf Gottes Beistand gehörten zusammen, so der Erzbischof.

Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag hatte am Donnerstag mit Bibelarbeiten prominenter Politiker und Kirchenvertreter seine inhaltliche Arbeit aufgenommen. Auf dem Programm stehen Workshops, Podiumsdiskussionen zu gesellschaftlichen Themen sowie geistliche und kulturelle Veranstaltungen. Bereits vor der Hallenöffnung auf dem Messegelände warteten Hunderte Besucher am Morgen auf Einlass für eine Veranstaltung mit der früheren Landesbischöfin Margot Käßmann. Bundespräsident Joachim Gauck wird mit dem Schauspiel-Studenten Samuel Koch, der seit einem Unfall bei "Wetten, dass..?" querschnittgelähmt ist, und anderen Teilnehmern über das Thema "Starke Gesellschaft" sprechen.

Der Kirchentag mit 117.000 Dauerteilnehmern war am Mittwoch mit vier Open-Air-Gottesdiensten eröffnet worden . Zum anschließenden "Abend der Begegnung" in der Innenstadt kamen nach Angaben einer Sprecherin des Kirchentags 350.000 Menschen. Höhepunkt war der Abendsegen mit einem Lichtermeer um die Binnenalster. (luk/dpa)

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