"Zutiefst verletzt" - Papst bittet Bistum um Vergebung

Der ehemalige Bischof von Osorno, Juan Barros, war eine der Hauptpersonen im chilenischen Missbrauchsskandal. Nun hat sich Papst Franziskus bei den Gläubigen in dessen ehemaliger Diözese entschuldigt.

Missbrauch | Santiago - 18.06.2018

Vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in Chile hat Papst Franziskus die Menschen im Bistum Osorno für sein persönliches Fehlverhalten um Verzeihung gebeten. Er tat dies durch seinen Sondergesandten Erzbischof Charles Scicluna bei einem Gottesdienst am Sonntag. In der Messe stellte sich auch Bischof Jorge Concha offiziell vor, der die Amtsgeschäfte des zurückgetretenen Bistumsleiters Juan Barros übergangsweise weiterführt.

"Der Papst hat mich beauftragt, jeden einzelnen Gläubigen des Bistums Osorno und alle Bewohner dieses Gebiets dafür um Vergebung zu bitten, dass er sie zutiefst verletzt und beleidigt hat", sagte Scicluna laut einer Pressemitteilung. In einem Grußwort an den Apostolischen Administrator Concha rief Scicluna auf, Frieden für das Bistum zu suchen. Friede, Versöhnung und Vergebung seien "Geschenke Gottes".

Papst Franziksus sprach von "Verleumdung"

Papst Franziskus hatte Barros währens seines Besuchs in Chile Anfang des Jahres noch energisch gegen Vertuschungsvorwürfe verteidigt und von "Verleumdung" gesprochen. Bereits auf dem Rückflug bat der Papst für seine Wortwahl um Entschuldigung, betonte aber, den Bischof aufgrund mangelnder Indizien im Amt belassen zu wollen. Erst später räumte er auch eine Fehlbeurteilung der Situation ein. Er habe sich "aufgrund eines Mangels an wahrheitsgemäßen und ausgewogenen Informationen" ein falsches Bild von der Situation gemacht, so Franziskus Mitte April in einem Brief an die chilenischen Bischöfe.

Bischof Juan Barros,
Der Missbrauchsskandal in Chile nahm von Juan Barros, ehemaliger Bischof von Osorno, seinen Ausgang. Vor einer Woche hatte Papst Franziskus dessen Rücktritt angenommen.
 KNA/CNS photo/Paul Haring

Scicluna und ein weiterer Gesandter des Papstes, Jordi Bertomeu, hielten sich seit Donnerstag in dem südchilenischen Bistum auf, um mit Laienorganisationen, Klerikern und Ordensleuten sowie den Gläubigen einzelner Pfarreien zu sprechen. Die katholische Kirche in Osorno ist durch die Kontroverse um ihren früheren Bischof Barros erschüttert und gespalten. Die vatikanischen Delegierten wollten am Sonntagabend (Ortszeit) für zwei weitere Tage nach Santiago zurückkehren. Dort hatten sie bereits Anfang vergangener Woche Gespräche mit Kirchenvertretern und mit der chilenischen Justiz geführt.

Bruder von Karadima: Angehörige hatten Angst vor ihm

Unterdessen berichtete die chilenische Zeitung "La Tercera" (Sonntag), zu den Teilnehmern eines nichtöffentlichen Treffens chilenischer Priester und Laien mit dem Papst Anfang Juni habe auch ein jüngerer Bruder der Schlüsselfigur des Missbrauchsskandals gehört. Oscar Karadima sagte der Zeitung, der zehn Jahre ältere Fernando habe die Geschwister mit seiner autoritativen Art gespalten. Er nannte die ganze Familie "ein Opfer von Machtmissbrauch". Papst Franziskus habe ihm, Oscar, Trost zugesprochen und ihn für Fernando Karadima um Verzeihung gebeten.

Oscar Karadima sagte weiter, er habe mit seinem heute 87-jährigen Bruder Fernando nie über dessen sexuelle Vergehen gesprochen, weil die Angehörigen Angst vor ihm gehabt hätten. Inzwischen hätten die beiden keinen Kontakt mehr. Oscar Karadima bekundete den Wunsch, sein Bruder solle "seine Seele retten und um Vergebung bitten". Er glaube jedoch nicht, dass er dies tun würde. Fernando Karadima sei "aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur von seiner Unschuld überzeugt", so der Bruder. (bod/KNA)

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