Zweimal Europa - einmal Frankreich

Die Reise von Papst Franziskus am 25. November nach Straßburg ist eine Reise nach Europa: Im Mittelpunkt seines kurzen Aufenthalts stehen zwei Reden vor dem Europäischen Parlament und im Europarat. Franziskus hätte den Besuch auch als Gelegenheit nehmen können, den neuen Leiter der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, und den Chef des Europäischen Rats, Donald Tusk, offiziell in ihrem Amt willkommen zu heißen.

Vatikan | Paris - 15.10.2014

Die Reise von Papst Franziskus am 25. November nach Straßburg ist eine Reise nach Europa: Im Mittelpunkt seines kurzen Aufenthalts stehen zwei Reden vor dem Europäischen Parlament und im Europarat. Franziskus hätte den Besuch auch als Gelegenheit nehmen können, den neuen Leiter der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, und den Chef des Europäischen Rats, Donald Tusk, offiziell in ihrem Amt willkommen zu heißen.

Doch weder dies noch ein Abstecher zur Kathedrale in Straßburg steht auf dem Plan. Ähnlich machte es auch Papst Paul VI. (1963-1978), als er 1965 die Vereinten Nationen in New York besuchte. Ein pastorales Beiprogramm gab es damals nicht.

Noch keine Details

Auch deshalb dürften die Franzosen die Ankündigung eines neuerlichen Papstbesuches für 2015 nun sehr begrüßen. Es wäre die neunte Frankreich-Reise eines Papstes in der Neuzeit. Die französische Zeitung "La Croix" hatte unter Berufung auf vatikanische Quellen berichtet, Franziskus wolle das Marienheiligtum Lourdes besuchen und danach in die Hauptstadt Paris weiterreisen. Das legt aus Sicht von Beobachtern die Möglichkeit nahe, dass der Papst den Besuch womöglich schon am 11. Februar antreten könnte, dem 157. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Lourdes. Der Vatikan hat sich zu Termin und Programm bislang nicht geäußert.

Die Reise am 25. November nach Straßburg ist die zweite Reise von Papst Franziskus in ein europäisches Land außerhalb Italiens, jedoch die erste in ein EU-Land; am 21. September hatte er bereits Albanien besucht .

Beliebtes Reiseland für Päpste

Zuletzt - und als erster Papst - hatte Johannes Paul II. (1978-2005) vor 26 Jahren vor den Europaabgeordneten gesprochen. 1988 ging der Kalte Krieg in seine letzten Monate; Meilensteine der europäischen Integration standen noch bevor. Auch Papst Benedikt XVI. (2005-2013) war eingeladen, vor dem Parlament zu sprechen; dazu kam es nicht mehr.

2008 reiste Benedikt XVI. nach Paris und Lourdes. Er verkündete während seines viertägigen Besuchs keine Lösungen für theologische und pastorale Probleme in Frankreich, schaffte es jedoch, Massen zu mobilisieren und Menschen unterschiedlichster Herkunft zum Nachdenken über den Glauben zu bringen. Zugleich zeigte er sich in theologischen und kirchenpolitischen Positionen unverrückbar. Am meisten Beachtung fand das, was Benedikt XVI. zum Thema wiederverheiratete Geschiedene zu sagen hatte: Er sprach sich klar gegen Segenshandlungen für sie aus. Die Kirche könne sich dem Willen Christi nicht widersetzen und halte unverbrüchlich an der Unauflöslichkeit der Ehe fest.

Papst Johannes Paul II. winkt.
 KNA

Johannes Paul II. besuchte zwischen 1980 und 2005 insgesamt siebenmal Frankreich; er war unter anderem in Paris, Lourdes, Taize und Straßburg. Sein erster Besuch fand bereits 1980 statt, zwei Jahre nach seiner Wahl. Die Menschenmenge jubelte ihm zu, als er begleitet von Staatspräsident Valery d'Estaing im offenen Wagen stehend über die Pariser Champs-Elysees fuhr. Zum Empfang im Elysee-Palast erschienen alle wichtigen Personen der Politik, auch der Parteichef der Sozialisten Francois Mitterrand und Kommunistenführer Georges Marchais.

Nicht immer harmonisch

Bei seinem fünften Frankreich-Besuch 1996 waren die Sympathiebekundungen nicht mehr so stark. Unvergessen bleibt jedoch die Gedenkfeier an die Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig vor 1.500 Jahren mit 160.000 Teilnehmern auf einen Flughafen bei Reims.

Johannes Paul II. erinnerte daran, dass die Taufe Chlodwigs "die gleiche Bedeutung wie jede andere Taufe" habe: Sie habe den Merowingerkönig von seinen Sünden befreit und zu Christus geführt. Die Interpretation dieses Ereignisses als "Geburtsstunde Frankreichs" stieß jedoch auch auf Kritik.

Allemal hatte die "älteste Tochter der Kirche" im Mittelalter engere Bindung an den Papst als heute. Im 14. Jahrhundert war das südfranzösische Städtchen Avignon für einige Zeit die Hauptstadt der katholischen Welt. Im "babylonischen Exil" stand das Papsttum ganz unter dem Einfluss der französischen Krone und residierte in dem kleinen "Rom an der Rhone". Die Altstadt mit dem gotischen Papstpalast gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO - auch wenn seitdem kein Papst mehr die "Stadt der Päpste" betreten hat.

Von Kerstin Bücker (KNA)

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