Zwischen Thomas von Aquin und Shakespeare

Den dritten Zwischenbericht der deutschen Sprachgruppe präsentierte am Mittwoch Kardinal Reinhard Marx der Presse. Zwischen Shakespeare und Thomas von Aquin antwortete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gut gelaunt auf die Journalistenfragen.

Familiensynode | Vatikanstadt - 22.10.2015

Mit Spannung war der dritte und letzte Zwischenbericht der deutschsprachigen Synodenarbeitsgruppe erwartet worden. Und so waren am Mittwochmittag die Kameras im vatikanischen Pressesaal auf einen gut gelaunten deutschen Kardinal Reinhard Marx gerichtet. Der genoss die Aufmerksamkeit, wünschte den Fotografen ein freundliches "Buongiorno".

Die ersten beiden Fragen gingen aber an seine Mitstreiter auf dem Pressepodium, den irischen Primas, Erzbischof Eamon Martin, und Montevideos Kardinal Daniel Fernando Sturla Berhouet. Dann sprach der deutsche Kardinal. Sieben von elf Fragen, die in dem einstündigen Briefing Platz hatten, gingen an ihn.

Statement auf Englisch

Ob der Pressesaal seinetwegen so voll war wie seit Synodenbeginn nicht mehr, oder ob die von Vatikansprecher Federico Lombardi dementierten Gerüchte um eine Tumorerkrankung des Papstes der Grund dafür waren, lässt sich nicht sagen. Die Kopfhörer für die Simultanübersetzung jedenfalls waren bereits zehn Minuten vor Beginn vergriffen. Entsprechend sorgte der Münchner Kardinal für Proteste unter den internationalen Journalisten, als er ankündigte, er werde auf Deutsch sprechen. Marx trug sein Statement daraufhin doch auf Englisch vor.

Ein Teil der deutschen Teilnehmer an der Familiensynode.
An der Familiensynode in Rom nehmen auch die Deutschen (von links) Aloys und Petra Buch als Auditoren, sowie die Bischöfe Franz-Josef Bode Kardinal Reinhard Marx, Heiner Koch sowie der Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien, Jeremias Schröder, teil.
 KNA

Die Rolle des Deutschen im Bischofstrio der Pressekonferenz war ähnlich jener, die den deutschen Zwischenberichten bei der Synode zugesprochen wurde: Strukturiert, theologisch, klar und präsent. Marx griff die wesentlichen Punkte des jüngsten Zwischenberichts des "Circulus Germanicus" noch einmal auf. Die Kirche sage den Katholiken: "Glaubt an euren Traum der lebenslangen Ehe, aber auch wenn ihr scheitert, bleiben wir bei euch."

Der Kardinal betonte den Beispielcharakter der deutschsprachigen Gruppe ebenso wie die Tatsache, dass diese sich darüber durchaus im Klaren gewesen sei. Jedes einzelne Papier, das den deutschen Sprachzirkel verlassen habe, sei zuvor einstimmig angenommen worden, sagte Marx. Er wisse nicht, "ob andere Gruppen das auch geschafft haben".

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Vom 4. bis 25. Oktober 2015 tritt die XIV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode unter dem Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zusammen. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zur Synode.

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Der Name Thomas von Aquin fiel häufig in den Antworten des Kardinals, der auch theologische Nachfragen beantwortete. Auch auf die zu erwartende kritische Frage war er vorbereitet: Wer konkret gemeint sei, wenn es zu Beginn des deutschen Zwischenberichts heiße, "die öffentlichen Äußerungen einzelner Synodenväter zu Personen, Inhalt und Verlauf der Synode" habe man "mit großer Betroffenheit und Trauer" wahrgenommen. Man habe eigentlich keine Namen nennen wollen, betonte Marx, aber Kurienkardinal George Pells Angriff auf Kardinal Walter Kasper in einem Interview des "Figaro" sei negativ aufgefallen. Die beiden seien aber miteinander im Gespräch, beeilte sich Marx zu ergänzen.

Marx zitiert Shakespeare

Das abschließende Wort solle an Kardinal Sturla Berhouet und Erzbischof Martin gehen, entschied Vatikansprecher Lombardi zum Ende des Briefings. Doch es war Marx, der sprach - in perfektem, wenn auch antiquiertem Englisch: "The quality of mercy is not strained; it droppeth as the gentle rain from heaven upon the place beneath. It is twice blest. It blesseth him that gives and him that takes", zitierte Marx lächelnd aus Shakespeares "Kaufmann von Venedig": "Die Art der Gnade weiß von keinem Zwang. Sie träufelt wie des Himmels milder Regen zur Erde unter ihr; zwiefach gesegnet. Sie segnet den, der gibt, und den, der nimmt."

Ergänzung: ZdK lobt dritten Zwischenbericht

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat die Arbeit der deutschen Bischöfen an dem dritten Zwischenbericht der deutschsprachigen Gruppe bei der Weltbischofssynode gewürdigt. Es handle sich um "eine beeindruckende, ehrliche und wegweisende Analyse", sagte Glück am Donnerstag in Bonn. Der Bericht fordere Bischöfe und Laien gleichermaßen heraus, sich "neu auf die Fundamente von Ehe und Familie zu besinnen". Der Bericht wie auch Gespräche am Rande zeigten, welch wichtige theologische und auch menschlich vertrauensbildende Arbeit in der deutschsprachigen Gruppe geleistet worden sei, so Glück weiter. Dies sei ganz im Sinne von Papst Franziskus, der immer wieder zum offenen und freien Dialog unter den Synodenvätern aufgefordert habe. (KNA)

Von Andrea Krogmann (KNA)

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