Feuer, Wasser und die Reformation

Das Kloster ganz im äußersten Osten der Republik hat schon viel erlebt: Die Reformation, Brände und zuletzt das verheerende Neiße-Hochwasser. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben.

Kloster St. Marienthal | Bonn - 06.01.2015

Gastfreundschaft wird großgeschrieben im Kloster St. Marienthal, das im äußersten Osten der Republik nahe der Stadt Ostritz an der Neiße liegt. Nach der Regel des Heiligen Benedikt, der ein Kloster als Ort der Begegnung mit Gott versteht, soll allen Besuchern Gastlichkeit erwiesen werden.

Diesen Grundsatz bemerkt der Besucher in St. Marienthal schnell. Ein etwas längerer Aufenthalt – als "Leben im Kloster" – ist genauso möglich wie ein kürzerer Besuch zur Erholung. Es werden über das ganze Jahr Fastenwochen angeboten, bei denen die Teilnehmer in klösterlicher Umgebung Besinnung und Orientierung finden. Wer mehrere Tage in Marienthal bleiben will, dem bietet auch das Seminarprogramm des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) auf dem Gelände ein umfangreiches Angebot, sowohl zu spirituellen Themen als auch anderen Themenkomplexen wie Bildung, Kultur und Familie.

Landschaftlich ist die Lage des Klosters im Bistum Dresden-Meißen sehr reizvoll. Das zum Klosterwald gehörende Neißetal lädt zu ausgedehnten Spaziergängen oder Radtouren ein. Interessante Städte im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien verführen zu spannenden Ausflügen. Das Klosterstift ist das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland. Seit seiner Gründung 1234 besteht es ununterbrochen. Und das ist durchaus etwas Besonderes: Viele der traditionsreichen deutschen Klöster waren während der Säkularisierung vorübergehend aufgehoben.

Gegen alle Widerstände

Die lange und abwechslungsreiche Geschichte schlägt den Besucher schnell in ihren Bann. Erfolgreicher Widerstand gegen die Repression der Reformation, ein Großbrand mit anschließendem Wiederaufbau, zwei Weltkriege und schließlich eine Überschwemmung im Jahr 2010 mit verheerenden Schäden sind nur einige Stationen in der bewegten Vergangenheit.

Auch aus architektonischen Gesichtspunkten lohnt sich ein Besuch. Die Klosterkirche ist ein Beispiel: Ursprünglich gotisch, wurde sie nach einem Brand im Barockstil wieder aufgebaut. Durch einen weiteren Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts im Nazarener Stil kann man an dem Herzstück des Klosters die Einflüsse der verschiedenen Kunstepochen nachvollziehen. Nach einer gerade erfolgten Renovierung stand auch die Kirche während des historischen Neiße-Hochwassers 2010 unter Wasser – die Schäden zu beheben, wird vermutlich bis 2013 dauern (Stand: Juli 2012).

Eine Klosterbäckerei, Klosterschenke, Klostergärtnerei und ein Klostermarkt sorgen für Abwechslung und das leibliche Wohl. Sogar eine Wasserkraftanlage wurde installiert. Kleines, aber feines Highlight ist zudem der ökologische Kräutergarten. Liebstöckel, Basilikum, Lavendel und Kapuzinerkresse sind nur einige der vielen Kräuterarten, welche die Klosterküche bereichern.

www.kloster-marienthal.de

Hinweis: Die Schäden des Hochwassers von 2010 sind voraussichtlich erst 2014 komplett behoben. Ob und welche Klosterbereiche davon noch betroffen sind, sollten Besucher beim Kloster erfragen.

Von Jens Ofiera und Gabriele Höfling

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