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Mehr als Spendensammeln

In den USA ist die Kirche auf das Fundraising als eine Art der Spendenwerbung angewiesen, da dort keine Kirchensteuer erhoben wird. Interviewpartner Martin Schwab, Fundraisingberater im Bistum Würzburg, berichtet von seiner Arbeit.

Fundraising | Würzburg - 13.05.2015

Die Kirchensteuer – mit dem Fall vom Limburger Domberg ist sie wiederholt in den Fokus der öffentlichen Debatte gerückt. Das ist allerdings nichts Neues. Bereits 2010 führte katholisch.de angesichts rückläufiger Kirchensteuereinnahmen ein Interview zum Thema Fundraising. In den USA ist die Kirche auf diese Art der Spendenwerbung angewiesen, da dort keine Kirchensteuer erhoben wird. Interviewpartner Martin Schwab, Fundraisingberater im Bistum Würzburg, berichtet von seiner Arbeit.

Mann mit Vollbart und hoher Stirn lächelt in die Kamera.
Martin Schwab, Fundraising Berater im Bistum Würzburg.
 privat

Frage: Herr Schwab, was versteht man unter Fundraising?

Schwab: Fundraising geht weit über klassische Instrumente wie den Spenden-Bittbrief hinaus. Mittlerweile gibt es - zugespitzt gesagt - ganze Lehrbücher über die richtige Betreffzeile und die Umschlaggestaltung. Aber damit ist es nicht getan. Wer heute Spenden einwerben will, muss als gesamte Einrichtung überzeugend und einladend sein und seine Spender kreativ pflegen. Deshalb umfasst Fundraising auch die langfristige positive Weiterentwicklung von Organisationen.

Frage: Wie lässt sich dieser Ansatz in den kirchlichen Raum übertragen?

Schwab: Das ist unterschiedlich - je nachdem, ob es sich um eine Pfarrei, ein Bildungshaus oder gleich eine ganze Diözese handelt. In einer Gemeinde kann man daran arbeiten, die eigenen Stärken besser herauszustellen und gute Beziehungen zu den Gemeindemitgliedern aufzubauen, etwa indem man Neuzugezogene anspricht und durch attraktive Angebote integriert. Erst viel später kommt dann vielleicht die Spendenbitte. Ich habe festgestellt, dass erfolgreiches Fundraising das Leben der Pfarrei positiv beeinflusst. Es gibt beispielsweise mehr Zusammenhalt und die Menschen sind stolz auf ihre Pfarrei, wenn die Lokalpresse über eine gute Aktion berichtet.

Frage: Stoßen Sie bei Ihrer Arbeit auch auf Skepsis oder Ablehnung?

Schwab: Schwierigkeiten macht manchmal der Begriff. wenn ich in einem Rhön-Dorf sage, ich bin von der Fundraising-Beratung, dann haben wir schon ein erstes Kulturhindernis. Wenn Kritik kommt, dann von Leuten, die Fundraising noch nicht selbst erlebt haben. Aber "katholisches Fundraising" ist im Kommen und die Vernetzung wird wachsen, weil das Thema angesichts klammer Kassen ein Zukunftsthema ist. Auch bistumsweite Kampagnen können bei entsprechender Qualität Geld und Ansehen einbringen. Denn gutes Fundraising bringt mehr ein, als es kostet. Wegen rückläufiger Kirchensteuereinnahmen werden kirchliche Einrichtungen und Gemeinden immer mehr auf Spenden angewiesen sein. Fundraising ist sicher kein Allheilmittel, aber man kann Verluste damit langfristig abmildern.

Frage: Hat der Missbrauch-Skandal Einfluss auf die Spendenbereitschaft?

Schwab: Die Menschen unterscheiden zwischen der Kirche in ihrem Dorf und der gesamten Kirche. Ein Missbrauchsfall in der Diözese erschwert das Fundraising in Gemeinden bedingt. Hinzu kommt, dass das Bistum Würzburg sehr offen mit diesem Thema umgeht. Wenn es der Kirche gelingt, den Missbrauchs-Skandal glaubwürdig zu bewältigen, ist Fundraising auch weiterhin sehr gut möglich.

Von Janina Mogendorf

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