"Stärker als der Tod"

Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom war vor seiner Weihe im Januar 2009 fast 25 Jahre als Priester in der Gemeindeseelsorge tätig. Im Interview gibt Boom Antworten auf Fragen rund um das Osterfest.

Dossier: Ostern | Würzburg - 06.01.2015

Der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom war vor seiner Weihe im Januar 2009 fast 25 Jahre als Priester in der Gemeindeseelsorge tätig. Im Interview gibt Boom Antworten auf Fragen rund um das Osterfest. Er spricht unter anderem über die Hingabe Gottes und verrät, welches sein liebstes Ostersymbol ist.

Frage: Herr Weihbischof, jeder fünfte Deutsche hat keine Ahnung, was an Ostern gefeiert wird. Wie erklären Sie solchen Menschen das Fest einfach und verständlich?

Boom: Wir feiern die Mitte unseres Glaubens. Zuerst ist es gewiss unglaublich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Weil der lebendige Gott Liebe in Person ist, kann er in seiner Liebe nichts im Tod belassen. Die Liebe ist stärker als der Tod.

Frage: Selbst vielen Kirchgängern liegt inzwischen die Vorstellung der Wiedergeburt näher als die von der leiblichen Auferstehung der Toten. Was macht die Kirche hier falsch?

Boom: Gott nimmt den Menschen mit Leib und Seele ganz und gar ernst. Liebe schließt keine Bereiche aus und ist immer einmalig. Auferstehung ist eine Sache des Herzens. Ich würde nicht "falsch" sagen, sondern eher fragen: Sind wir da als Kirche überzeugend genug?

Frage: Gott lässt seinen Sohn Jesus qualvoll am Kreuz für die Sünden anderer sterben. Wenn nur so Erlösung geschieht, wie die Kirche predigt, ist dann ihr Gott nicht zwangsläufig ein Sadist?

Boom: Was macht ein Mensch nicht alles für den, den er liebt? Was tun Eltern nicht alles für ihre Kinder? "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab." Das hören wir im Johannesevangelium. Hingabe geht bis ins sich Verlieren im anderen. Was bei uns Menschen vielleicht mit Vorsicht geschieht, tut Gott ohne Rücksicht auf sich selbst.

Zur Person

Ulrich Boom ist seit 2009 Würzburger Weihbischof. Der gebürtige Münsterländer hat lange Jahre in der Seelsorge gearbeitet. Er ist Mitglied der Pastoral- und der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz, außerdem stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule. 2006 sorgte er für Aufsehen, als er die Glocken der Miltenberger Jakobuskirche 20 Minuten lang läuten ließ und so eine Kundgebung einer NPD-Jugendorganisation verhinderte.

Frage: Ein zentraler Vorwurf ans Christentum lautet: Wer ein Opfer in den Mittelpunkt seiner Lehre stellt, produziert auch selbst weitere Opfer. Lässt sich diese Kritik entkräften?

Boom: Ich glaube, es gibt kein Leben ohne Opfer. Füreinander da sein heißt auch immer von sich selbst absehen. Je mehr ich mich einlasse auf den anderen, desto mehr verlasse ich mich selbst und immer mehr auf den Nächsten. Das kann so weit gehen, dass ich mich selbst vergesse. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer", sagt Jesus. Er spricht sich ja nicht gegen das Opfer aus, sondern dagegen, dass herzlos geopfert wird.

Frage: Ostern ist mit einer Fülle von Symbolen und reichhaltigem Brauchtum verbunden. Was ist Ihr Favorit?

Boom: Vielleicht ist es doch das Osterei: Symbol des neuen Lebens. Das Leben sprengt alle Schalen und Hüllen. Und dieses Leben will aber auch gehütet und gepflegt werden. Leben können ist nicht selbstverständlich.

Frage: Nicht nur an Ostern gerät die christliche Bedeutung zentraler Feste in Vergessenheit. Was kann die Kirche dagegen tun, außer nur darüber zu klagen?

Boom: Klagen bewirkt wohl am wenigsten. Erst einmal wertschätzen, dass die christlichen Feste in der Gesellschaft eine Rolle spielen; dann natürlich, wo es geht, sie erschließen und mit dem alltäglichen Leben in Verbindung bringen und vor allem das Fest selbst mit Leib und Seele begehen.

Von Christian Wölfel

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