Treffpunkt Arche Noah

Immer mehr Pfarrgemeinden bieten Gottesdienste für Kleinkinder an – oft gestaltet von engagierten Müttern. Viele Gemeinden haben so im Laufe der Jahre einen wertvollen Schatz von Spiel- und Gestaltungsideen, Geschichten und Liedern angesammelt, zum Beispiel Bettina Herrmann und Sybille Wittmann, die gemeinsam in St. Georg in Lützelburg bei Augsburg seit Jahren Kindergottesdienste anbieten.

Dossier: Religiöse Früherziehung | - 07.01.2015

Immer mehr Pfarrgemeinden bieten Gottesdienste für Kleinkinder an – oft gestaltet von engagierten Müttern. Viele Gemeinden haben so im Laufe der Jahre einen wertvollen Schatz von Spiel- und Gestaltungsideen, Geschichten und Liedern angesammelt, zum Beispiel Bettina Herrmann und Sybille Wittmann, die gemeinsam in St. Georg in Lützelburg bei Augsburg seit Jahren Kindergottesdienste anbieten.

"Es ist eine Freude mitzuerleben, mit wie viel Begeisterung die Kleinen 'Gottesdienst' feiern", sagt Bettina Herrmann. "Wir kommen außerhalb der Sonntagsmesse zusammen und verstehen unsere Angebote als Vorstufe des klassischen Gottesdienstes, wobei schon die Kleinsten in die christlichen Traditionen eingeführt werden und hineinwachsen können."

Sybille Wittmann erzählt weiter: "Damit die Kinder eine erste Beziehung zu Gott aufbauen können, möchten wir möglichst viele Sinneskanäle aktivieren. Wir benutzen dazu verständliche und kindgerechte Botschaften, einprägsame Wiederholungen und Vertiefungen, in dem wir mit den Kindern beten, singen, spielen, tanzen, forschen." Die beiden Pädagoginnen haben ihre Gottesdienstmodelle für Kinder ab zwei Jahren in einem Buch zusammengetragen. Sie beschreiben das Beispiel eines Kleinkindergottesdienstes zum Thema "Arche Noah":

Alle Tiere und Menschen in die Arche!

Die Geschichte von der Arche Noah ist schon bei Zweijährigen beliebt. Zu Beginn des Gottesdienstes sitzen die Kinder im Kreis um ein großes braunes Tuch: unsere Arche. Nun kommt es auf genaues Zuhören an. Denn mehreren Kindern werden nacheinander verschiedene Aufträge ins Ohr geflüstert, die sie genau befolgen sollen, etwa: 'Steh auf und setz dich wieder hin!', 'Lege deine Hände auf deine Augen und lege sie dann wieder auf die Beine.' Die Kinder erkennen, dass sie genau aufpassen müssen, um alles richtig zu machen. Vom genauen Zuhören kommen wir zum Gehorchen.

Die Kinder dürfen Beispiele erzählen: Wenn die Mama ruft: 'Komm zu mir!', hören sie nicht nur zu, sondern gehorchen auch. Dann lesen wir die Geschichte von Noah, einem Mann, der auch genau zuhören und gehorchen musste. Anschließend legen die Kinder auf Zuruf Stofftiere in die Mitte auf das braune Tuch. Zum Schluss rufen wir nacheinander die Namen aller Kinder. Sie setzen sich zu den Tieren. Dann breiten wir ein dunkles Tuch über die Kinder und Tiere und lassen es regnen: zuerst mit den Fingern tröpfeln und dann mit den Handflächen prasseln. Allmählich lässt der Regen nach. An solchen Aktivitäten haben schon die Kleinsten viel Spaß.

Eltern spielen eine Szene

Die folgende Szene wird von uns Erwachsenen dargestellt. Wir brauchen einen Raben und eine Taube – als Handpuppen oder aus Tonkarton ausgeschnitten und gegen einen Stab geklebt. Noah sagt zum Raben: "Schau nach, ob man wieder an Land gehen kann und bring einen Beweis mit!" Aber, der Rabe fliegt umher, gerade wie es ihm gefällt. "Schade, lieber Rabe, du hast uns gar nichts mitgebracht. Nun müssen wir alle noch in der Arche bleiben.

Die Kinder in der Arche zählen dann alle Wochentage von Montag bis Sonntag auf, um die Zeit zu verdeutlichen. Dann bittet Noah die Taube: Schau nach, ob man schon wieder an Land gehen kann, und bringt uns einen Beweis mit! Die Taube fliegt herum und bringt einen Zweig zur Arche. Jedes Kind bekommt ein Zweiglein von der Taube und darf die Arche zusammen mit einem Tier verlassen. Anschließend setzen wir uns zusammen an den Tisch und feiern gemeinsam unsere 'Rettung'. Der Tisch ist mit einem Regenbogentuch dekoriert. Als Knabberei bieten wir Keks-Tiere an.

Buchtipps

Bettina Herrmann/Sybille Wittmann: Treffpunkt Kinderkirche. Gottesdienstmodelle für Kinder ab 2 Jahren. 104 Seiten, 16,90 Euro, Don Bosco Verlag, München 2009. In der Kinderkirche erleben Mädchen und Jungen ab 2 Jahren mit ihren Geschwistern, Freunden, Eltern oder Erziehern die farbenprächtigen Feste des Kirchenjahres. Dieses Praxisbuch bietet Erzählungen, Lieder und Gebete sowie viele Mitmach-Anregungen zum Malen, Spielen und Backen für fantasievolle Gruppenstunden oder lebendige Wortgottesdienstfeiern. So erfahren die Kinder Advent und Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Erntedank mit allen Sinnen und im Kreise ihrer wichtigsten Bezugspersonen. Dem Buch liegt ein Poster mit den Festen des Kirchenjahres bei. Altersstufe: 2 bis 5 Jahre. Bettina Herrmann/Sybille Wittmann: Von Heiligen und anderen Menschen wie ich. Modelle zur religiösen Werteerziehung in Kita und Gemeinde. 124 Seiten, 15,95 Euro, Don Bosco Verlag, München 2010. Kinder orientieren sich an Menschen, die klar für etwas stehen. Ihre Vorbilder finden sie in der Familie und im außerfamiliären Umfeld ebenso wie in spannenden Geschichten. Aus der religiösen Werteerziehung sind deshalb die Geschichten der Heiligenlegenden nicht wegzudenken. Das Praxisbuch bietet 13 Modelle an, durch die Kinder in die Rolle der Heiligen schlüpfen und im (Rollen-)Spiel deren Werte spielerisch und anschaulich erleben. Dabei geht es um persönlichkeitsfördernde Werte, wie Freiheitsliebe, Klugheit und Talente, um soziale Werte, wie Dankbarkeit und Solidarität, und um die religiösen Werte, wie Barmherzigkeit und Hoffnung. Altersstufe: 5 bis 9 Jahre.

Von Margret Nußbaum

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