Menschenfeindliche AfD ausgrenzen!

Andreas Püttmann über die Einladung der Partei zum Katholikentag

Standpunkt | Bonn - 20.02.2018

Am Donnerstag nannte Gudrun Sailer hier die Einladung des AfD-Bundestagsabgeordneten Münz zum Katholikentag "eine gute Nachricht". Ihre Argumente überzeugen mich nicht. Der Vergleich mit der "fast bedingungslosen Audienzpolitik" des Papstes hinkt, denn dabei handelt es sich um Dialoge hinter verschlossener Tür, meistens diplomatische zwischen Staatsoberhäuptern. Dass "Millionen Deutsche" die AfD "vielfach aus Angst um die Zukunft ihrer Kinder und ihres Landes" gewählt haben, ist nur die halbe Wahrheit. Umfragen zeigen, dass viele sie aus Fremdenfeindlichkeit, Chauvinismus, Islamhass und Antisemitismus, Wohlstandsegoismus, Sozialdarwinismus und rechtsautoritärer Diktaturneigung wählen. Man sollte nicht einfach das Selbstbild und Klischee von unschuldigen, zuwendungsbedürftigen Wählern einer großenteils rechtsradikalen Partei bestätigen, die man besänftigen muss, damit sie nicht "wütender und noch unzugänglicher" werden. Wenn der, der am lautesten schreit, gezielt provoziert und sich radikalisiert, am sichersten Entgegenkommen auslöst, gerät ein Gemeinwesen auf die abschüssige Bahn.

Dass "mit Ausgrenzen niemandem gedient" sei, klingt immer gut, wäre aber hier zu belegen. Die Inklusion derer, die andere exkludieren, ist kein christlicher Weg. Vielmehr muss eine Kirche primär von der Schutzbedürftigkeit derer her denken und handeln, die der Rechtspopulismus mit seiner Hetze überzieht. Ihnen ist durchaus "gedient", wenn sie nicht auch noch bei Kirchentagspodien auf ihre Verleumder treffen. Auch den ideologisch Verführbaren dient man so schlecht. Alle Kultur beruht auf der richtigen Ermutigung und Entmutigung, und die geschieht, indem man destruktive, menschenfeindliche Kräfte ausgrenzt.

"Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu verschaffen" von der AfD, muss nicht erst ein Katholikentag bieten; solche Gelegenheiten gibt es zuhauf: in Parteiprogrammen, in täglichen Nachrichten, Talkshows, Parlamentsdebatten, Parteiveranstaltungen, Internetforen, Alltagsbegegnungen. Und "das Aushalten der Meinungen anderer" hat Grenzen. Gerade für eine Kirche ist nicht alles diskutabel – und damit auch nicht jeder vor kirchlichen Mikrofonen. Eine Partei, deren Programm unseren demokratischen Rechtsstaat als Quasi-Diktatur verleumdet, die eine ganze Weltreligion verteufelt, Ressentiments gegen Minderheiten schürt und Rechtsradikale und Antisemiten bei sich duldet, gehört nicht auf Podien christlicher Großveranstaltungen. Eine Kirche, in der das nicht mehr klar ist, die gefährliche Irrlichter aufs Podest stellt, verliert weiter an Leuchtkraft in der Gesellschaft. Dabei sollte ihr Licht leuchten und ihr Salz nicht schal werden. Sonst wird es nämlich "weggeworfen und von den Leuten zertreten" (Mt 5,13).

Von Andreas Püttmann

Der Autor

Andreas Püttmann ist Politikwissenschaftler und freier Publizist in Bonn.

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