Dank für de Maizières Denkanregung

Ludwig Ring-Eifel über einen möglichen muslimischen Feiertag

Standpunkt | Bonn - 19.10.2017

Ludwig Ring-Eifel

Der amtierende Bundesinnenminister ist bislang nur selten als Spezialist für differenzierte Analysen aufgefallen. "Wir sind nicht Burka!" war ein Satz, mit dem er unlängst noch die Debatte um die deutsche Leitkultur beflügelte. Nun aber hat er mit einer Äußerung zur möglichen Einführung muslimischer Feiertage in Deutschland eine Debatte von ganz anderer Qualität angestoßen. Ungewollt hat er dazu beigetragen, dass man sich in Politik und Gesellschaft vergewissert, was eigentlich der Sinn von konfessionell begründeten gesetzlichen Feiertagen ist. Dafür gebührt ihm Dank.

Interessant ist daran vor allem ein Punkt: De Maizière regt an, man könne "in Regionen mit einem sehr hohen Anteil von Muslimen über einen muslimischen Feiertag diskutieren". Ein muslimischer Feiertag in stark muslimisch besiedelten Gebieten - etwa in Bonn-Bad Godesberg oder in Berlin-Wedding - das klingt zunächst mal plausibel! Zumal dort an einigen staatlichen Schulen muslimische Feiertage in der Praxis schon längst wie gesetzliche Feiertage gehandhabt werden.

Da wir Deutschen im Jahr 2017 immer wieder über die konfessionelle Spaltung unseres Landes nachgedacht haben, trifft der Vorschlag uns gut vorbereitet. Wir erinnern uns: Schon 1555 haben wir hierzulande nach Kämpfen zwischen den  Konfessionen eine Formel gefunden, die später unter dem Motto "Cuius regio, eius religio" zusammengefasst wurde: Wer den Landstrich beherrscht, darf auch die Religion bestimmen. Die regional verschiedenen katholischen bzw. evangelischen Feiertage sind bis heute ein Überbleibsel dieser Regelung: Wo Katholiken die Mehrheit stellen, sind Fronleichnam und Allerheiligen arbeitsfrei; eine landesweite protestantische Mehrheit unter den Getauften sorgt hingegen für einen arbeitsfreien Reformationstag.

Nun gibt es aber derzeit noch kein Bundesland mit muslimischer Mehrheit. Und bislang kann man sich nicht mal am bayerischen Sonderweg für Mariä Himmelfahrt orientieren: Dieser Tag ist nur in Städten und Gemeinden mit katholischer Mehrheit ein Feiertag. Ähnliches gilt für Fronleichnam in Sachsen und Thüringen. Erst wenn es dereinst Gemeinden mit einer relativen muslimischen Mehrheit unter den religiös Gebundenen geben sollte, könnten die betroffenen Kommunen den von de Maizière angedeuteten Weg beschreiten. Bis dahin aber gilt: Ab in die Wiedervorlage!

Von Ludwig Ring-Eifel

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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