Das Geheimnis des Glaubens darf nicht leiden

Gudrun Sailer über die Reform der Übersetzung liturgischer Texte

Standpunkt | Bonn - 18.10.2017

redakteurin gudrun sailer

Papst Franziskus gibt den Bischofskonferenzen mehr Verantwortung beim Übersetzen liturgischer Texte. In Zukunft müssen die Übersetzungen, die die Bischofskonferenzen in gewissenhafter Arbeit anfertigen und dann bei der Gottesdienstkongregation einreichen, dort nur noch bestätigt werden. Ist die Bestätigung in Rom durch, kann in der Ortskirche gedruckt werden, so steht es im neuen päpstlichen Erlass "Magnum Principium". Interessant ist, dass der Leiter der zuständigen Gottesdienstkongregation, Kardinal Robert Sarah, jüngst in der französischen katholischen Zeitschrift "L’Homme Nouveau" erklärte, seine Behörde sei weiterhin zuständig für die strenge Kontrolle der Übersetzungen. Diese hätten so nah wie möglich am lateinischen Original zu liegen, wie bisher üblich. Erst wenn die Bischofskonferenzen treue Übersetzungen in diesem strengen Sinn lieferten, könne Rom sie billigen.

Wer je einen Text aus einer Fremdsprache übersetzt hat, kennt nun aber das Problem: Sprachen haben unterschiedliche Strukturen. Übersetzt man frei, riskiert man Unschärfe. Übersetzt man treu, riskiert man Unverständlichkeit. Ein unverständlicher Text aber, das hat das Konzil eingeräumt, verschenkt Potential, wo es keines zu verschenken gibt. Es geht nicht um Worte, sondern um das Wort, das Fleisch geworden ist. Ein unverständlicher, weil schlecht übersetzter Text in der Feier der Liturgie wird niemandes Glauben stärken und niemandes Sehnsucht wecken. Das Geheimnis des Glaubens darf nicht durch umständliche Übersetzungen leiden.

Deshalb: Ein römischer TÜV auf Treue zum lateinischen Original muss sein. Die zentralen Begriffe des Glaubens brauchen eine treffende und keine annähernde Übersetzung. Was es aber nicht braucht, sind Funktionäre, die an ihren römischen Schreibtischen über unzulässig aufgebrochene Satzperioden und fehlende Kommata brüten und bischöfliche Liturgiekommissionen über Jahre mit Änderungswünschen quälen. In der Regel kennen Bischofskonferenzen ihre Gläubigen und ihre Sprache besser, als der Vatikan das tut. Warum nicht mal ein grundsätzliches Vertrauen in die Fähigkeiten und den guten Willen der Bischöfe und des Gottesvolkes entwickeln? 

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Radio Vatikan".

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