Der Menschlichkeit den besten Sendeplatz

Monika Metternich über die Medien und Flüchtlingsheime

Standpunkt | Bonn - 24.07.2015

Täglich werden wir medial konfrontiert mit dem Argwohn und gar dem Hass, der Flüchtlingen in Deutschland  entgegenschlägt. Bilder von brennenden Asylbewerberheimen, von brüllenden Demonstranten vor Flüchtlingsunterkünften. Der Schauspieler Til Schweiger erntete für seine Unterstützung einer Spendenaktion für Flüchtlinge hämische und bösartige Kommentare, der Petition #HeimeOhneHass, die sich für Demonstrations-Bannmeilen vor Flüchtlingsheimen stark macht, schlägt blanker Hass entgegen. Aber auch jede Menge Zustimmung. Und damit wären wir auf der anderen Seite des Bildes.

Der Bericht der "Tagesschau" über ganz normale Bürger, die unkompliziert, fantasievoll und mit viel Spaß das Ihre tun, um Flüchtlingen beizustehen, zeigte diese ganz andere Facette. Ein "Markt" mit über fünfzig ehrenamtlichen Helfern, in dem sich Flüchtlinge kostenlos aus gespendeten Sachen aussuchen können, was sie brauchen. Das Besondere daran: Dass von diesen Ehrenamtlichen die Hälfte selbst Flüchtlinge sind. Nicht nur die Sprachprobleme werden dadurch beseitigt, sondern man lernt sich untereinander kennen und schätzen. Ein Herr stellt seine ungenutzte Wohnung im Dachgeschoss einer syrischen Familie zur Verfügung. Man lädt sich gegenseitig zum Essen ein, gibt Hilfestellungen bei kleineren und größeren Problemen. Ein Augenarzt startet die Aktion „Sehhilfen für Flüchtlingskinder“. Er vermisst die Augen der Kinder, die örtliche Optikerin versorgt diejenigen mit Sehfehlern mit kostenlosen Brillen. Lauter Beispiele für das, was der Bürgermeister von Warendorf gelassen „eine Herzenspflicht“ nennt.

Natürlich wird auch dieser Beitrag manche nicht davon abhalten, solche "Gutmenschen" zu verhöhnen. Und er wird auch nicht die politische Dimension des Flüchtlingsthemas lösen. Aber dieses Vorbild unprätentiösen, herzlichen Tuns rührt bei vielen an jenen Ort in ihrem Herzen, wo die Bergpredigt ihr Echo findet, wird Vorbild und Ansporn. Meine Bitte an die Medien: Zeigt mehr davon. Geben wir nicht dem Hass, sondern der Menschlichkeit den Hauptsendeplatz.

Die Autorin

Monika Metternich arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Bonn.

Diskutieren Sie mit!

Diskutieren Sie diesen Standpunkt auf unserem Facebook-Auftritt.

Zu Facebook

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Monika Metternich

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018