Der Problemmigrant

Jeremias Schröder über Bayern und die Asylbewerber

Standpunkt | Bonn - 05.07.2018

Nach dem Koalitionsdrama gibt es bei vielen ein Aufatmen. Die Regierung zerfällt nicht, keine Neuwahlen, erstmal wird weiterregiert. Während sich die Republik allmählich wieder beruhigt, haben sich allerdings die Wahrnehmungsmuster stillschweigend weiter verschärft: Migration löst Staatskrisen aus – sie ist das größte Problem unserer Zeit. Oder?

Die Blickverengung, die sich seit 2015 ereignet hat, lässt andere Wahrheiten stillschweigend unter den Tisch fallen. Fallbeispiel Oberbayern: Mein Heimatkloster hat dem Landratsamt ein Haus für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. 25 junge Männer wohnen darin, allesamt aus Afrika. Die werden recht intensiv betreut, allerdings weniger vom Kloster sondern von einem engagierten Helferkreis. Der CSU-Bürgermeister sagt, es gibt keine Probleme. Alle sind integriert - und haben Arbeit!

In unserer Region, nicht weit vom München, gibt es schon lange Vollbeschäftigung. Gastronomie, Handwerk und Industrie suchen händeringend nach Arbeitskräften. Die hiesigen Kloster-Afrikaner kommen wie gerufen: einer arbeitet als Dachdecker, ein anderer auf einem Bauernhof als Stallknecht. Vier machen gerade eine Lehre als Koch, Lackierer und KFZ-Mechatroniker.

Einig der Herkunftsländer kenne ich ganz gut. An den vorgebrachten Asylgründen darf man schon Zweifel hegen. Das ist auch im Verwaltungsverfahren irgendwann aufgefallen, und einige Fälle bewegen sich wohl in Richtung auf die Abschiebung zu, dem vielbeschworenen Mantra aller Vaterlandsverteidiger.

Besser wäre es aber, wenn etliche dieser afrikanischen Asylanten hierblieben, nicht einfach aus Mitleid oder Solidarität, sondern weil sie gebraucht werden. Und das sollte man gelegentlich auch einmal sagen. Das wäre Staatsraison – "staatliche Vernunft". Sogar in Bayern.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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