Deutschland - Mahner für die ganze Welt

Alexander Görlach über Lehren der deutschen Geschichte

Standpunkt | Berlin - 09.11.2017

Der 9. November ist für die Deutschen ein wichtiger Gedenktag: es ist das Datum der Reichspogromnacht und der Tag, an dem die Berliner Mauer fiel. Beide Ereignisse sind miteinander verbunden. Die Verbrechen Hitlerdeutschlands führten zur deutsch-deutschen Teilung. Bei allem, was an der wiedergewonnenen Einheit noch nicht vollendet ist, vergessen die mürrischen Deutschen, wie sehr die friedliche Revolution von 1989 noch heute in vielen Teilen der Welt als leuchtendes Beispiel gesehen wird.

Korea zum Beispiel: das Land ist seit dem Krieg Anfang der 50er Jahre geteilt, in einen kommunistischen Norden und einen freien Süden. Das bloße Faktum, dass zwei so unterschiedliche politische Weltanschauungen, wie sie West-Deutschland und die DDR verkörperten, wieder zusammen finden konnten, reicht schon aus, um die Fantasie der Koreaner zu beflügeln, ebenfalls in der Zukunft ein wiedervereinigtes Land zu werden.

Wir sprechen in Deutschland ja derzeit viel von Identität. Deshalb ist das Gedenken am 9. November so wichtig: wir Deutschen können der Welt heute aufgrund der Aufarbeitung der verheerenden Erfahrung des Dritten Reiches und unsere friedlichen Geschichte der Wiedervereinigung ein ehrlicher Mahner sein. Ein "Wehret den Anfängen" mag für manches Ohr in Deutschland alarmistisch klingen. In anderen Teilen der Welt aber hat ein solcher Warnruf hingegen Autorität.

Von Alexander Görlach

Der Autor

Alexander Görlach ist ein F.D. Roosevelt Foundation In Defense of Democracy Affiliate Professor am College der Harvard Universität. Der promovierte Linguist und Theologe ist zudem Senior Fellow am Carnegie Council for Ethics in International Affairs.

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