Die Ablässe für unsere Toten nicht verschweigen

Agathe Lukassek über das Totengedenken im November

Standpunkt | Bonn - 03.11.2017

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Martin Luther hat gegen die Ablässe in der katholischen Kirche gekämpft. Ob er wohl weiß, dass 500 Jahre später – nur wenige Stunden nach dem Reformationstag Ablässe eine wichtige Rolle spielen? Wohl kaum – und leider wissen es wohl auch die meisten Katholiken in Deutschland nicht: Ab dem Mittag an Allerheiligen, an Allerseelen und an den weiteren Tagen bis zum 8. November können wir täglich einen vollkommenen Ablass für unsere Verstorbenen gewinnen. Und das sogar auf ziemlich einfache und intuitive Art und Weise: Durch Gebet für die Verstorbenen während eines Friedhofsbesuchs und durch den Besuch einer Kirche an Allerheiligen oder Allerseelen verbunden mit dem Gebet des Vaterunser und dem Sprechen des Credo – beide kommen in einer Eucharistiefeier ohnehin vor. Messe, Gebet und Gräber – ein großer Teil der Kirchgänger hat dies in den vergangenen Tagen ohnehin getan.

Für mich ist dies von Kindheit an eine Tradition und deshalb macht es mich umso trauriger, dass diese Praxis in Deutschland nicht gefördert wird. Ich habe bislang noch in keinem Gottesdienst den Priester sagen gehört, dass es diese Möglichkeit gibt. Warum nicht? Zwar scheinen Ablässe allgemein nicht mehr en vogue zu sein, aber in diesem Fall kann die Praxis den Hinterbliebenen genauso eine Hilfe sein wie den Verstorbenen. Wie oft denken wir nach dem Tod nahestehender Personen: "Zu spät", dies hätte man noch gemeinsam tun, jenes noch sagen sollen?

In der Gegend um Köln jedenfalls sieht man die Hinterbliebenen rund um Allerheiligen in Aktivismus verfallen: Die Grabgestecke sind quasi ausverkauft und auf den Friedhöfen herrscht Treiben um die Gräber schön herzurichten. Auf mich wirkt das wie ein Wusch, noch etwas für diejenigen zu tun, um die man trauert. Und tatsächlich bietet die Kirche die Möglichkeit dazu. Nach dem Glauben der Kirche ist es nicht zu spät, denjenigen zu helfen, die sich nach dem Tod im Läuterungszustand befinden. Auf Deutsch wird dieser Zustand der schmerzhaften Gotteserkenntnis mit dem hässlichen Wort Fegefeuer beschrieben. Erst nach dieser Läuterung kann man "in die Freude des Himmels eingehen", wie es im Katechismus heißt. Deshalb kennt die katholische Kirche das Gebet für die Verstorbenen in jeder Messe und besonders an Allerseelen. Ich wünsche mir, dass Seelsorger und Seelsorgerinnen künftig nicht dieses Thema vorschnell beiseiteschieben, sondern lernen, die schöne Ablass-Praxis für unsere Verstorbenen in zeitgemäßen Worten wieder neu zu vermitteln.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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