Die Kirche muss ihren Wortschatz entrümpeln!

Thomas Jansen über die Sprache der Kirche

Standpunkt | Bonn - 06.10.2017

Es wird Zeit, dass die Kirche ihren Wortschatz entrümpelt. Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode machte dazu vergangene Woche in Fulda einen Vorschlag, den man nur lebhaft begrüßen kann: Er, Bode, wolle sich dafür einsetzen, dass man künftig von "Seelsorge" statt von "Pastoral" spreche. Denn das Wort "Pastoral" verstünden die Leute bis heute nicht. Als Vorsitzender der Pastoral-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz weiß Bode, wovon er spricht.

Der Begriff "Pastoral" ist nur ein Beispiel von vielen. Das Wort zählt zu jenem Hirtendeutsch, das selbst in Schafsköpfe mit großem Latinum in den vergangenen 50 Jahren partout nicht hineingehen wollte. Gewiss, wir hören den gelehrten Einspruch der Herren Theologen und Altphilologen: Die Begriffe "Pastoral" und "Seelsorge" seien nicht völlig deckungsgleich. Das Wort "Seelsorge" erinnere schließlich nicht an das Bild vom Bischof als Hirten und den Gläubigen als Schafen wie sein lateinisches Pendant. Aber ist das wirklich so schlimm? Ein bisschen weniger Hirten und Schafe würden der Kirche nicht schlecht anstehen.

Die Kirche hat ihre gesellschaftliche Prägekraft eingebüßt und ist nur noch eine unter vielen Stimmen. Diese Erkenntnis muss sich endlich auch in puncto Sprache durchsetzen. Kirchliche Mitarbeiter können nicht mehr einfach so reden, wie ihnen der theologische Schnabel gewachsen ist und darauf hoffen, dass die Gläubigen ihre Worte nachbeten. Das hat vielleicht früher ansatzweise mal funktioniert, heute geht es nicht mehr.

Zu guter Letzt ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn die Pastoral-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz demnächst selbst mit gutem Beispiel vorangeht und sich umbenennt: Als Seelsorge-Kommission könnte sie sich die Fremdwörter-Pastoral sparen.

Von Thomas Jansen

Der Autor

Thomas Jansen ist Chef vom Dienst bei katholisch.de.

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