Die Kirchen offen halten

Christoph Strack über Kirchendiebstähle

Standpunkt | Bonn - 02.01.2017

Unterwegs in Burgund in den frühen 1990er Jahren. Längst nicht jede Dorfkirche war tagsüber geöffnet. Wo die Gotteshäuser nicht verriegelt waren, fehlten nicht selten Bilder oder sakrale Gegenstände. Und in einem Ort zwischen Cluny und Beaune fand sich in einer altehrwürdigen Kirche fast nichts mehr. Allein das handschriftliche Plakat des Pfarrers am Eingang, dass Diebe mittlerweile fast alles, was transportabel gewesen sei, aus dem Gotteshaus geklaut hätten ... Die letzten verbliebenen Teile seien unter Verschluss.

Nun thematisierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (29.12.: "Diebe vor dem Herrn - die Zahl von Kircheneinbrüchen wächst") eine ähnliche Entwicklung in Deutschland. Die Zeitung verweist auf eine KNA-Auswertung der Daten von Landeskriminalämtern, wobei in Deutschland Jahr für Jahr mehr als 2000 Kirchendiebstähle begangen werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei in Nordrhein-Westfalen. 

Ob in Frankreich vor bald drei Jahrzehnten oder in Deutschland heute: Der Diebstahl liturgischen Geräts, von Objekten frommer Verehrung oder religiöser Kunst minderen Werts verletzt Gefühle und missachtet Religion. Aber die Häufung zeigt zudem, dass ein Land entchristlicht und der Respekt vor religiöser Empfindung schwindet. 

Was tun? In Frankreich waren damals und sind heute viele Kirchen, auch wenn sie noch regelmäßig für Messfeiern genutzt werden, an Werktagen nicht zugänglich. Auch in Deutschland stehen Beter, die ein Kerzchen anzünden wollen, oder Touristen immer häufiger vor verschlossenen Portalen. Um so lobenswerter sind jene Initiativen, bei denen Gemeindemitglieder sich mit ihrer Präsenz engagieren und durch ihre stundenweise Anwesenheit die Offenhaltung einer Kirche gewährleisten. Ein nicht selbstverständlicher, aber notwendiger Dienst. Denn zu einer einladenden Kirche gehören auch offenstehende Gotteshäuser. 

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist stellvertretender Leiter des Hauptstadtstudios der Deutschen Welle.

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