Die Sprache des Herzens

Susanne Hornberger über das Pfingstfest

Standpunkt | Bonn - 01.06.2017

Zugegeben, Pfingsten gehört nicht zu den geschmeidigsten christlichen Festen. Im Gegenteil: Die Botschaft dieser Feiertage ist deutlich sperriger als etwa die von der Geburt eines Kindes, das in der Krippe liegt, wie sie an Weihnachten gefeiert wird. Oder der Kreuzestod eines Mannes, der am dritten Tag wieder aufersteht, erzählt in der Osterbotschaft. Pfingsten handelt vom Heiligen Geist, einer ohnehin schwer zugänglichen Person, und einem Sprachenwunder, das begleitet von einem heftigen Sturm auf die Apostel niederbraust.

"Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab", ist in der Apostelgeschichte 2,1-11 zu lesen. Worte also, die direkt vom Heiligen Geist auf die Menschen gekommen sind und die ohne Dolmetscher oder Wörterbuch aus sich heraus begreifbar sind. Sozusagen eine sich selbst erklärende Sprache, die erfühlt und erspürt wird und so auf eine Weise verstanden wird, die tiefer geht als ein Begreifen mit dem Kopf. Um es deutlicher zu sagen: An Pfingsten wurde uns die Sprache des Herzens geschenkt. Mit ihrer Hilfe wird Gottes wichtigste Botschaft transportiert, die seiner allumfassenden, immerwährenden Liebe.

Doch ist uns diese wundervolle Sprache nicht längst abhandengekommen? Eine Sprache, die gepresst wird in Kurzmitteilungen, in zweifelhaften 140-Zeichen-Zwitschereien, flüchtigen Facebook-Likes, garniert mit Emoticons, die Missverständnisse und aneinander vorbeireden auch nicht verhindern können. Nicht nur das. Nun sitzen Jugendliche wie die Hühner auf der Stange, Kopf nach unten, Augen am Smartphone klebend. Kein Gespräch, kein Lachen, nicht mal ein Grummeln. Ein trauriges Bild.

Können die Immer-und-überall-Onliner eigentlich noch mit einem leibhaftigen Gegenüber kommunizieren? Liebevoll, mit Respekt und Verständnis für den anderen? Ich bezweifle das. Deshalb: Wir benötigen dringend ein "Pfingstwunder", eine Wiederkehr der Sprache des Herzens und der Liebe. Möge der Heilige Geist uns erfüllen!

Von Susanne Hornberger

Die Autorin

Susanne Hornberger ist Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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