Schachfigur
Pater Max Cappabianca über den Umgang mit dem Tod in Krankenhäusern

Die Sterbenskultur liegt im Argen

Pater Max Cappabianca über den Umgang mit dem Tod in Krankenhäusern

Von Pater Max Cappabianca |  Bonn - 02.07.2018

Als Studierendenpfarrer in Berlin habe ich selten mit Tod und Sterben zu tun. Nun hat es mich aber doch erwischt: mein Vater ist vor genau einem Monat gestorben. Durch Familie und Freunde habe ich große Unterstützung erfahren. Entsetzt bin ich aber, wie im Krankenhaus mit dem Sterben umgegangen worden ist.

Mein Vater hatte das Pech, an einem Samstagmorgen in der Universitätsklinik Frankfurt/Main zu sterben. Ich bin gleich in Berlin losgefahren und war am Samstagnachmittag in Frankfurt. Zu spät, um ihn noch zu sehen. Wegen angeblich unklarer Todesursache wurde er erst einmal weggesperrt – und dann war Wochenende. Keiner, der zuständig war, keiner der weiterhalf, keiner der Verantwortung übernahm.

Erst am Dienstag durfte ich mich verabschieden: in einem hässlichen Raum, der wohl mal eine Kapelle war und jetzt wie eine Rumpelkammer mit dringendem Renovierungsbedarf wirkt. Nachdem die anderen Särge zur Seite geschoben worden waren, wollte man mir meinen verstorbenen Vater hinter einer Glasscheibe präsentieren – "wegen der Vorschriften". Gott sei Dank war da ein beherzter Mitarbeiter, der mich dann doch vorließ. Bis heute warte ich auf den medizinischen Bericht der Uni-Klinik, den ich bereits mehrfach angefordert habe…

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich bin an der Uni-Klinik Frankfurt auch vielen verständnisvollen Ärzten und Pflegern begegnet. Auch die Krankenhausseelsorge war gleich erreichbar. Die Hospizbewegung hat vielerorts schon einiges erreicht: nicht nur in Frankfurt gibt es mittlerweile Palliativstationen oder Räume, in denen man sich in Ruhe und würdevoll von den verstorbenen Angehörigen verabschieden kann.

Wie mir Fachleute bestätigen, liegt dennoch weiterhin vieles im Argen, nicht nur an der Uni-Klinik Frankfurt. Ökonomische Zwänge und die zunehmende Unfähigkeit mit dem Tod umzugehen, führen zu einer Entmenschlichung des Sterbens.

Wir Christen müssen auf dieses gesellschaftliche Problem hinweisen und unseren Erfahrungsschatz einbringen. Auch sollten unsere eigenen Krankenhäuser vorbildlich dafür sein, wie man gut mit Sterben und Tod umgehen kann.

Von Pater Max Cappabianca

Der Autor

Der Dominikaner Max Cappabianca ist Leiter der Katholischen Studierendengemeinde Hl. Edith Stein in Berlin.

Hinweis

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