Die Synode neu denken

Gudrun Sailer über Laien bei der Familiensynode

Standpunkt | Bonn - 12.10.2015

Die Synode tagt. In einer fensterlosen Aula aus den 70er-Jahren mit engen Nebenräumen beraten im Vatikan 360 Teilnehmende aus aller Welt die Geschicke der katholischen Familie. Von ihnen haben, grob gerechnet, zwei Drittel ein Stimmrecht, das sie etwa nutzen, um am Ende die einzelnen Absätze des Schlussdokumentes zu billigen oder nicht. Sie sind die sogenannten Synodenväter: Bischöfe und vereinzelte andere Geistliche, auf deren Rat die Synode ihrer Verfassung nach baut.

17 Ehepaare sind diesmal eingeladen, ihre Erfahrungen aus dem Familienleben in die Synode einzubringen, und etliche Ordensfrauen, die als Seelsorgerinnen Paare und Familien in der Krise begleiten, haben erfolgreich darauf gedrungen, ebenfalls teilnehmen zu dürfen. "Synodenmütter" und "Synodenpaare", beide Wörter sind erfunden, haben allerdings so wie die übrigen (männlichen) Laien kein Stimmrecht in der Aula. Nur die Väter zählen, wenn es um das Schlussdokument zu Ehe und Familie geht. Ausschließlich Priestern kommt in der katholischen Kirche das Recht zu, bindende Entscheidungen über andere Priester zu treffen. Das ist in Ordnung so. Doch die Bischofssynode trifft keine Entscheidungen über Priester. Mehr noch, sie trifft überhaupt keine Entscheidungen. 

Sie ist dazu da, den Papst auf breiter weltkirchlicher Basis zu beraten. In einem gemeinsamen Voranschreiten sucht die Synode den Willen Gottes in der Zeit zu erkennen. Gleichsam mit dem Blick nach oben erarbeitet sie Vorschläge, die der Papst am Ende in seinem nachsynodalen Schreiben beherzigen kann, aber nicht muss.

In diesem Jahr feiert die Bischofssynode ihr 50jähriges Bestehen. Ein halbes Jahrhundert, das die Berufung von Laien auf neue Weise ernst nahm. Als Papst Paul VI. die Bischofssynode ins Leben rief, schrieb er ihr Dynamik ein: Die Synode wird "nach Art und Brauch aller menschlichen Einrichtungen im Verlauf der Zeit eine immer noch vollkommenere Form erlangen können", heißt es im Gründungsdokument von 1965. Wäre es heute an der Zeit, dieses bedeutendste Beratungsorgan der Weltkirche gemeinsam mit den Laien neu zu denken?

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Journalistin in Rom und Redakteurin bei "Radio Vatikan".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

Von Gudrun Sailer

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