Die Waffen der Kirche

Christof Haverkamp über die Suche nach dem Frieden

Standpunkt | Bonn - 16.04.2018

Christof Haverkamp ist Chefredakteur einer Bistumszeitung.

"Suche Frieden": So lautet das bewusst doppeldeutige Leitwort des bevorstehenden Katholikentags, der am 9. Mai in Münster beginnt. Ein besseres, zeitgemäßeres Motto hätten die Veranstalter kaum finden können – nicht allein, weil die Großveranstaltung in der Friedensstadt Münster ausgerichtet wird und nicht nur, weil sich in diesem Jahr sowohl der Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) als auch das Ende des Ersten Weltkrieges (1914-1918) jähren.

Aktuell will der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. mit Papst Franziskus im Syrien-Konflikt um Frieden werben. Dieser Versuch steht beispielhaft dafür, wie begrenzt die Mittel der Kirchen sind. Denn was können sie in so einer Auseinandersetzung tun? Immer wieder beten, sich für einen friedensstiftenden Dialog einsetzen, beharrlich an alle beteiligten Kriegsparteien appellieren. Schwere Waffen stehen den Kirchen selbstverständlich nicht zur Verfügung, sondern allein die Kraft des Wortes, verbunden mit dem ständigen Hinweis, dass Militärschläge keine Lösung sind und vor allem die Zivilbevölkerung leiden muss.

Oft genug aber sind noch so viele Appelle und Versuche zur Friedensstiftung vergeblich, wie das Bemühen von Papst Benedikt XV. im Ersten Weltkrieg belegt. Mit drastischen Worten wandte er sich 1915 an die kriegführenden Parteien – leider ohne Erfolg. Hätte man auf ihn gehört, wäre vielen Menschen in Europa Leid erspart geblieben. Immerhin hat man ihm später den Zusatz Friedenspapst verliehen. Als Vermittler betätigte sich in jüngster Zeit immer wieder die katholische Gemeinschaft Sant' Egidio, meistens im Hintergrund. Mehrfach war ihre Moderation von Erfolg gekrönt, was belegt, dass es sich lohnt, geduldig für den Frieden einzutreten. Als hilfreich hat sich bei den Bemühungen eine strikte Neutralität erwiesen.

Dass diese Suche nach Frieden viele Facetten hat, zeigt sich auch am Programm des Katholikentages. Ob es um Hassmails geht oder um Frieden zwischen den Religionen und in den Familien: Es lohnt sich, friedlich zu streiten.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

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