Ein vergiftetes Weihnachtspräsent

Martin Rothweiler über eine Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibung

Standpunkt | Bonn - 13.12.2017

Die SPD-Bundestagsfraktion hat gerade "rechtzeitig" vor Weihnachten einen Gesetzentwurf zur Abschaffung des Paragrafen 219a beschlossen. Dieser verbietet, öffentlich "für eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs" zu werben, und zwar wenn dies jemand "seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise" tut. Es handelt sich um das Verbot der Werbung für eine Dienstleistung, die das Strafgesetzbuch unter "Straftat gegen das Leben" behandelt.

Man kann angesichts offensichtlich fehlender Rechtskenntnis auch unter Politikern und mangelnden Unrechtbewusstseins nicht oft genug in Erinnerung rufen: Nach deutschem Recht ist der Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, wenn auch in bestimmten Situationen straffrei.

Wenn Bundesjustizminister Heiko Maas den Paragrafen 219a als "Relikt aus der NS-Zeit" brandmarkt und hinzufügt, dass "die Zeiten, in denen der Staat das Kontrollrecht über die Körper seiner Bürger beansprucht zum Glück der Vergangenheit angehören", dann ist die schlichte Frage erlaubt: Was ist denn mit dem Kind? Was ist mit seinem Recht auf Unversehrtheit? Was ist mit seinem Recht auf Leben? Hat der Staat nicht die Aufgabe, jedes menschliche Leben zu schützen? Da geht es doch nicht um die Kontrolle des Staates über die Körper seiner Bürger. Wie absurd ist das denn!

Nun legt die SPD mit ihrem Fraktionsbeschluss der Union ein besonderes "Geschenk" unter den Weihnachtsbaum. Und die sich christlich verortenden Noch-Wähler der Union werden genau hinschauen, was die Union mit diesem vergifteten Weihnachtspräsent anfängt, bevor man in Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten eintritt.

Apropos Weihnachten: Wir feiern die Geburt eines Kindes, dass trotz unzumutbarer Bedingungen zur Welt kam. Gott selbst hat sich klein gemacht und ist in Jesus Mensch geworden. Welche Würde kommt jedem menschlichen Leben zu - und zwar von Anfang an! Die Bibel schildert uns sogar die vorgeburtliche Begegnung zwischen Johannes dem Täufer im Bauch seiner Mutter Elisabeth - sie war im 6. Monat mit ihm schwanger- und dem noch viel jüngeren Jesus, gerade wenige Tage oder Wochen alt im Bauch seiner Mutter Maria.

Es wird in den Weihnachtstagen viel von Willkommenskultur die Rede sein. Vergessen wir dabei die Ungeborenen nicht. Heißen wir auch das Jesuskind willkommen. Ja, heißen wir alle Kinder willkommen und helfen wir mit, dass sie eine Chance auf ein würdiges Leben bekommen. Keine Werbung für den Abbruch des Lebens! Werben wir für einen Aufbruch zu einer neuen Willkommenskultur für das Leben! Dazu ruft uns Weihnachten auf!

Von Martin Rothweiler

Der Autor

Martin Rothweiler ist der Programmverantwortliche des katholischen Fernsehsenders EWTN Deutschland.

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