Eine tiefe Zäsur

Steffen Zimmermann über das Ende der Abtei Himmerod

Standpunkt | Berlin - 17.10.2017

Steffen Zimmermann katholisch.de

Klar, überraschend kommt das Ende der Abtei Himmerod nicht. Immerhin hat es in den vergangenen Jahren – spätestens seit einer nur mit Mühe abgewendeten Insolvenz 2011 – wiederholt deutliche Signale in diese Richtung gegeben. Und dennoch: Dass die für Himmerod zuständige Mehrerauer Kongregation des Zisterzienserordens nun tatsächlich das endgültige Aus der traditionsreichen Abtei beschlossen hat, bedeutet eine tiefe Zäsur für das klösterliche Leben in Deutschland.

Man muss sich die Tragweite dieses Beschlusses vor Augen führen: Kloster Himmerod besteht – mit einer Unterbrechung durch die Säkularisation – seit fast 900 Jahren, die Abtei wurde 1134 vom heiligen Bernhard von Clairvaux gegründet. Über Jahrhunderte hinweg war der kleine Ort irgendwo im Nirgendwo der waldreichen Eifel eines der wichtigsten spirituellen Zentren Deutschlands, ja Europas. Hier wurde Geistes- und Glaubensgeschichte geschrieben.

Doch damit ist nun Schluss, der dramatische Nachwuchsmangel zwingt Himmerod in die Knie. Zuletzt lebten nur noch sechs Mönche in dem großen Kloster-Komplex (vor 40 Jahren waren es noch 30 Mönche) – ein auch wirtschaftlich verantwortbarer Fortbestand des Konvents war damit nicht mehr möglich.

Es stimmt zwar: In der Geschichte gab es immer wieder Klöster, die geschlossen wurden. Doch es steht zu befürchten, dass wir heute erst am Anfang eines klösterlichen Massensterbens stehen, wie es so noch nie stattgefunden hat. Was dies für die religiöse und kulturelle Identität unserer Gesellschaft bedeutet, kann noch gar nicht abgeschätzt werden.

Die Frage ist, ob das Ordensleben hierzulande überhaupt noch eine Zukunft hat. Dazu wage ich keine Prognose, verweise aber auf ein Zitat des Himmeroder Abtes Johannes Müller: "Das Ordensleben ist zwar nicht tot, aber die Weise, in der es gelebt wurde, ist längst am Ende. Früher wurde es von der Gesellschaft hoch geschätzt, wenn man ins Kloster ging. Das hat sich so massiv geändert, heute gilt man als verrückt, wenn man das macht". So deprimierend diese Aussage ist, noch ist es – wie auch die Wiederbesiedelung des brandenburgischen Klosters Neuzelle zeigt – nicht zu spät. Aber es braucht dringend kreative Ideen, wie das Ordensleben in Deutschland wiederbelebt werden kann.

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

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