Endlich am Licht

Gudrun Sailer über ausgebeutete Ordensfrauen

Standpunkt | Bonn - 08.03.2018

redakteurin gudrun sailer

Ordensfrauen sind im Allgemeinen kein Thema, das zieht. Auf der Welt gibt es zwar weitaus mehr Schwestern als Priester, Ordensbrüder, Diakone, Bischöfe und Kardinäle zusammen. Doch außer als Fiktion in Fernsehserien kommen die Frauen des geweihten Lebens medial kaum vor. Echte Schwestern werden auch in der Kirche selbst wenig beachtet, mitunter sieht sie sogar der eigene Bischof nicht. Da das niemandem auffällt als den Schwestern selbst und diese aber schweigen, war das Problem bisher unerkannt.

Pünktlich vor dem Weltfrauentag macht nun ausgerechnet eine Vatikan-Publikation auf die Tatsache aufmerksam, dass in Rom Ordensschwestern in ihrer Arbeitskraft ausgebeutet werden. Sie wirken als Haushälterinnen bei Kurienprälaten, unterbezahlt bis unbezahlt, arbeiten von früh bis spät und essen alleine in der Küche statt mit dem Dienstherrn im Wohnzimmer, erzählt eine anonyme Ordensfrau.

Die Darstellung in dem vatikanischen Frauenmagazin scheint mir etwas einseitig. Wahr ist, dass Schwestern seit jeher klerikale Haushalte führen. Manche Gemeinschaften wurden seinerzeit für genau diese Form des Dienstes gegründet. Andere finanzieren mit diesem Modell – Personalverleih im kirchlichen Ambiente - ihre eigentliche Sendung etwa in der Mission. Im Regelfall gibt es einen Gestellungsvertrag zwischen dem Prälaten, der eine Ordensfrau als Haushälterin sucht, und der jeweiligen Ordensgemeinschaft. Es ist ein privates Dienstverhältnis, bei dem, das ist richtig, meist wenig Geld fließt, manchmal gar keines. In jedem Fall geht das Geld an die Ordensgemeinschaft, nicht an die Schwester. Das ist aber auch in den Männerorden so.

Dennoch: Im dritten Jahrtausend der Kirche derart asymmetrische Dienstverhältnisse zwischen Priestern und Ordensfrauen zu reproduzieren und zu denken, das sei normal, weil es immer so war, ist falsch. Es geht nicht so sehr um den wirtschaftlichen Aspekt, die Arbeit "für Gotteslohn", obwohl auch Geld eine Rolle spielen muss in Zeiten fehlender Berufungen (die Pensionsvorsorge der Schwestern war und ist der Nachwuchs). Es geht um Gleichheit in der Würde von Frauen und Männern, um Anerkennung und Wertschätzung. Es geht darum, was Ordensfrauen heute sind.

Nicht umsonst setzen viele Frauenorden schon lange auf gute Ausbildung. Schwestern haben heute, mit Verlaub, Wichtigeres zu tun als Kollarhemden zu bügeln. Dass einige von ihnen in Privathaushalten von Priestern offenbar regelrecht ausgebeutet werden, ist nicht hinnehmbar. Es war Zeit, dass das ans Licht kam.

Von Gudrun Sailer

Die Autorin

Gudrun Sailer ist Redakteurin bei "Vatikan News".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2018