Schachfigur
Volker Resing über Hilfe für Flüchtlinge

Entwicklungshilfe bedeutet auch Migrationsvermeidung

Volker Resing über Hilfe für Flüchtlinge

Von Volker Resing |  Bonn - 21.06.2018

Zum Weltflüchtlingstag hat die Hilfsorganisation World Vision eine missverständliche Stellungnahme verschickt.  Sie ist überschrieben mit der Zeile: "Entwicklungspolitik darf nicht zur Migrationsverhinderung verkommen." Hintergrund ist ein Brief von zehn Organisationen an die  Bundesregierung. Aber was soll das bedeuten? Unlängst hatte doch Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) im Einklang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch mal die Bekämpfung von Fluchtursachen als Ziel verkündet. Dahinter steht doch der richtige Gedanke, dass keiner ohne Not flieht und sein Zuhause verlässt. Wenn er bessere Lebensbedingungen in seiner Heimat findet, dann ist es besser für ihn – und auch besser für die Zielländer für Migration, die sich überfordert sehen durch die Zuwanderung.

Will World Vision nun nahelegen, Migration sei etwas Gutes an sich, welches keineswegs verhindert werden solle? Weiter in der Pressemitteilung findet sich den Satz, dass Armutsbekämpfung nicht zulasten von Migrationskontrolle vernachlässigt werden dürfe. Das leuchtet schon eher ein. Die Hilfsorganisation kritisiert, dass Abkommen mit verbrecherischen Regimen in Afrika geschlossen würden. Diese Gratwanderung muss kritisch betrachtet werden.

Aber dennoch muss diese Frage noch einmal grundsätzlich betrachtet werden. In der politischen Debatte darf sich keine Denkfigur einschleichen, die nach der Devise vorgeht: "Bist Du für Flüchtlinge oder gegen Flüchtlinge? Und wenn Du dagegen bist, dann bist Du unmenschlich und unchristlich." Das ist zu simpel und zu einfach – und schürt ein gesellschaftliches Klima, welches Populisten in die Hände spielt. Zu Recht weist etwa das bischöfliche Hilfswerk Misereor daraufhin, dass Flüchtlinge in Afrika und im Nahen Osten etwa vor Ort unsere Solidarität benötigen – und diese internationale Perspektive angesichts der Lage in Deutschland aus dem Blick gerate. Selbstverständlich muss Deutschland auch Flüchtlinge aufnehmen, aber es ist keinesfalls verwerflich, Menschen in Not noch stärker als bisher vor Ort zu helfen. Es wäre fatal, wenn dies wiederum diskreditiert würde als "Abweisungspolitik" und so innenpolitisch instrumentalisiert würde zulasten der betroffenen Menschen.

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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