Frauen spielen noch immer eine untergeordnete Rolle

Benjamin Leven über die Besetzung kirchlicher Leitungspositionen

Standpunkt | Bonn - 24.04.2018

Benjamin Leven

"Auch wenn die Gegenwart und die Rolle der Frau im Leben und in der Sendung der Kirche nicht an das Amtspriestertum gebunden ist, so bleiben sie doch absolut notwendig und unersetzbar." So schrieb es Papst Johannes Paul II. vor 24 Jahren in seinem Apostolischen Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis". Mit diesem Brief erteilte der Papst damals den Bestrebungen eine Absage, Frauen zur Priesterweihe zuzulassen, hob aber gleichzeitig hervor, wie "unersetzbar" Frauen für die Kirche seien. Doch so unersetzbar sie sind, so unsichtbar sind sie doch bis heute, sobald es um Lehre und Leitung geht.

Dabei erzählt die Kirchengeschichte von vielen großen Frauen, die das Geschick der Kirche entscheidend beeinflusst haben. Die Einführung des Fronleichnamsfestes geht auf Juliana von Lüttich (1192-1258) zurück. Katharina von Siena (1347-1380) schrieb zahlreiche Briefe an die Kirchenmänner ihrer Zeit. Sie reiste persönlich nach Avignon und überzeugte Papst Gregor XI., aus dem Exil nach Rom zurückzukehren. Johanna von Orleans (1412-1431) kämpfte, geleitet von inneren Stimmen und Visionen, für den französischen Dauphin gegen England. Das Denken von Edith Stein (1891-1942) ist bis heute philosophisch und theologisch prägend. Welche andere Kultur kennt eigentlich eine solch vielfältige Präsenz von Frauen?

Doch im Vatikan, der heute das administrative Zentrum der Weltkirche ist, spielen Frauen noch immer eine untergeordnete Rolle. Das macht den Hinweis auf ihre Unverzichtbarkeit etwas unglaubwürdig. Nun wurden erstmals drei Frauen – Linda Ghisoni, Michelina Tenace und Laetitia Calmeyn – in den Kreis der Konsultoren der Glaubenskongregation aufgenommen. Die Konsultoren spielen eine wichtige Rolle bei der Überprüfung theologischer Äußerungen, die im Verdacht stehen, Irrlehren zu enthalten. Ihre Gutachten können damit über das Wohl und Wehe von Theologen mitentscheiden. Allerdings hat man von solchen Verfahren in Rom schon länger nichts mehr gehört. Das Signal stimmt also, doch wie wie mächtig die drei Frauen wirklich sein werden, muss vorerst offen bleiben.

Von Benjamin Leven

Der Autor

Benjamin Leven ist Redakteur der Herder Korrespondenz in Berlin und Rom.

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