Für die, die's wissen wollen

Oliver Maksan über die Bedeutung des Katechismus

Standpunkt | Bonn - 12.10.2017

Von all den Geschenken, die der heilige Johanes Paul II. der Kirche hinterlassen hat, ist der Katechismus der Katholischen Kirche eines seiner bedeutendsten. Ein Vierteljahrhundert ist es dieser Tage her, seit der von einer hochkarätig besetzten Theologenkomission erarbeitete Text vom Jahrtausendpapst aus Polen promulgiert wurde. Kardinal Ratzinger spielte natürlich eine wichtige Rolle, aber auch der heutige Wiener Kardinal Schönborn als Redaktionssekretär. Wer wissen will, was die Kirche glaubt, findet seither eine verlässliche Antwort. Die nachfolgende Kurzfassung hat die Inhalte sicher noch einmal breiteren Kreisen zugänglich gemacht.

Leicht hatte es das Dokument derweil hierzulande nicht gehabt. Das lag an seinem Umfang, aber auch einer in hiesigen religionspädagogischen Kreisen tiefsitzenden Aversion gegen Katechese und Glaubensunterweisung. Als an sich zu autoritär, apodiktisch und monologisch gilt dieser Schule die Idee eines approbierten Katechismus. Kurz: vorkonziliär. Diesem Denken ist es zu verdanken, dass Schüler zwar von Klasse eins bis 13 im Religionsunterricht sitzen, aber häufig selbst nach dem Besuch des Leistungskurses fundamentale Glaubenswahrheiten nicht kennen.

Fides qua und fides quae, die gläubige Haltung und die Inhalte des Glaubens lassen sich aber nicht gegeneinander ausspielen. Zum Katholischsein reicht natürlich nicht das Hersagen von Dogmen. Sie müssen bedacht und in der Liebe gelebt werden. Aber logisch geht die Orthodoxie der Orthopraxie voraus. Und Suchende wollen wissen können, was der katholische Glaube lehrt. Ob sie Gott dann durch die von seiner Kirche vorgelegten Wahrheiten Glauben schenken wollen, bleibt ihnen in aller Freiheit unbenommen.

Dass weltweit auch auch unter jungen Leuten eine Sehnsucht nach Einsicht in den Glauben der Kirche besteht, zeigt der Erfolg des Youcat. In Zeiten, da die Glaubensweitergabe von Generation zu Generation weitgehend Geschichte ist, haben zeitgemäß gemachte katechetische Projekte ihre große Zukunft erst noch vor sich.

Von Oliver Maksan

Der Autor

Der Diplomtheologe Oliver Maksan ist Chefredakteur und Geschäftsführer der Würzburger katholischen Zeitung "Die Tagespost". Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent in Jerusalem.

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