Gegen den Bistums-Egoismus

Stefan Orth über die Finanzierung überdiözesaner Aufgaben

Standpunkt | Bonn - 27.11.2017

Dr. Stefan Orth ist stellv. Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Es ist schon etwas Paradoxes: Die Aufgaben werden mehr, aber die notwendigen Mittel dafür schrumpfen. Da ist auf der einen Seite der Papst, dem daran liegt, dass bestimmte Entscheidungen sinnvollerweise nicht mehr zentral in Rom, sondern auf der Ebene der Bischofskonferenzen gefällt werden. Jüngstes Beispiel war die Approbation liturgischer Bücher. Auf der anderen Seite stoßen die Bistümer an Grenzen, etwa bei den Priesterseminaren, länger schon bei der Ausbildung der Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen, und müssen stärker kooperieren. Auch das muss kein Schaden sein.

Sowohl für viele Katholiken, aber auch darüber hinaus, spielen die Bistumsgrenzen eine untergeordnete Rolle. Die Empörung über kirchliche Skandale macht an ihnen nicht halt, beeindruckende spirituelle Impulse, ob in alten oder neuen Medien, ebenso wenig. Umso wichtiger ist neben der Präsenz der Kirche vor Ort auch ein kirchliches Engagement, das einen gesamten Kultur- und Sprachraum in den Blick nimmt. Schließlich gilt: Was auf regionaler Ebene mit dem notwendigen professionellen Niveau nicht möglich ist, lässt sich im größeren Maßstab finanzieren.

Doch während die Kirchensteuereinnahmen in den vergangenen zwei Jahrzehnten – trotz anderslautender Warnungen der Finanzdirektoren der Bistümer – kontinuierlich gestiegen sind, haben die Bischöfe die Quote der zur Verfügung stehenden Gelder für die sogenannten überdiözesanen Aufgaben von vier Prozent vor gut zehn Jahren auf fast die Hälfte zurückgefahren. Dagegen hat es in den vergangenen Monaten aus ganz unterschiedlichen Richtungen Widerstand gegeben. Die Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken hat jetzt am Wochenende den gesammelten Protest in einer Erklärung artikuliert. Sie fordert nicht nur eine Erhöhung der Beiträge der einzelnen Bistümer für diese Aufgaben, sondern auch transparentere Entscheidungen und mehr Beteiligung von Laien daran, konkret eine Art Kirchensteuerparlament für die Ausgaben des Verbands der deutschen Diözesen. Es überrascht nicht, dass das Papier nach eindringlichen Redebeiträgen einmütig verabschiedet wurde.

Die Crux: Die Bistümer sind jetzt am Zug – wobei sich die Bischöfe auf einen gemeinsamen Kurs verständigen müssen.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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