Her mit der Frohen Botschaft!

Steffen Zimmermann über kommunikative Schwarzmalerei in der Kirche

Standpunkt | Berlin - 20.12.2017

Steffen Zimmermann katholisch.de

Gestern beklagte Monika Metternich an dieser Stelle, dass laut einer Umfrage der "Bild"-Zeitung nur 36 Prozent aller Katholiken in Deutschland planen, an Weihnachten eine Messe zu besuchen. Die christliche Botschaft, so Metternich in ihrem Standpunkt, habe derart an Strahlkraft verloren, dass sie selbst die Mehrheit der Christen nicht mehr bewege. Spätestens am Heiligen Abend könne sich jeder ein konkretes Bild davon machen, dass sogar das Fest der Geburt ihres Herrn und Erlösers nur noch eine Minderheit der Katholiken hinterm Christbaum hervorhole.

Ich möchte dieser pessimistischen Sicht heute widersprechen, schließlich kann man das Ergebnis der Umfrage auch ganz anders lesen. 36 Prozent aller Katholiken in Deutschland wollen dieses Jahr an Weihnachten in die Kirche – eine immer noch sehr stolze Zahl. Welche andere große Organisation hierzulande kann in der heutigen Zeit schon von sich behaupten, mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder an einem bestimmten Tag für ein bestimmtes Ereignis zu mobilisieren? Ob Gewerkschaften, Parteien oder Verbände: In Sachen Mobilisierungsgrad braucht sich die Kirche wahrlich nicht zu verstecken.

Der Standpunkt von Frau Metternich steht für mich sinnbildlich für ein ganz anderes Problem: Die Kirche in Deutschland ist gefangen in einer kommunikativen Negativ-Spirale. Landauf, landab ist mit Blick auf alles Kirchliche fast nur noch von Abbrüchen und Mangel die Rede, in offiziellen Verlautbarungen und selbst in Stellungnahmen von wohlwollend gesinnten Katholiken wird allzu oft nur gemahnt und gewarnt. Positiv geht anders.

Ich würde mir wünschen, dass wir in der Kirche (und ja, da schließe ich die Redaktion von katholisch.de ausdrücklich mit ein) weniger schwarzmalen würden. Natürlich, es gibt Probleme und Fehlentwicklungen, die klar benannt werden müssen. Aber über allem steht die Frohe Botschaft. Sie ist der Kern unseres Christseins und sie sollte auch kommunikativ im Zentrum stehen. Nur dann – das ist meine feste Überzeugung – wird die Kirche wieder attraktiver für die Menschen. Einer im Negativen gefangenen Organisation will auf Dauer schließlich niemand angehören. Deshalb: Her mit der Frohen Botschaft!

Von Steffen Zimmermann

Der Autor

Steffen Zimmermann ist Redakteur im Korrespondentenbüro von katholisch.de in Berlin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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