Herrgotts-Winkel ohne Herrgotts-Glauben

Volker Resing über die säkularisierte Gesellschaft

Standpunkt | Bonn - 09.10.2017

Volker Resing

Mit einem 10-Punkte-Plan will die CSU eine "bürgerlich-konservative" Erneuerung der Partei vorantreiben. Unter Punkt 7 heißt es: "Wer Kreuze abnehmen, Schweinefleisch verbannen und Martinsumzüge in Lichterfest umbenennen will, ist nicht tolerant, sondern betreibt gefährliche Selbstverleugnung." Stimmt das eigentlich? Oder besser gefragt: Hier sind religiöse Fragen berührt, geht es dem Autor, dem CSU-Vordenker und Vizegeneralsekretär Markus Blume, aber um Religion?

Die drei Beispiele sind zu Schablonen geworden, die das eigentliche Problem vernebeln. Blume schreibt: "Die Werte und Prägung unserer Heimat sorgen für Identität und Zusammenhalt. Nur wer der eigenen Sache sicher ist, kann anderen offen und tolerant begegnen." Richtig! Genau da hätte der CSU-Punkte-Plan aber ansetzen müssen. In Deutschland sind sich viele ihrer christlichen Prägung nicht mehr sicher! Mehr noch: viele lehnen sogar eine christliche Prägung ab, weil sie mit dem Glauben und der Kirche nichts mehr anfangen können. Diese fundamentale Verunsicherung durch die Säkularisierung ist das Problem. Wenn in Gerichtssälen Kreuze abgehängt werden, weil nur noch eine Minderheit der Gesellschaft sich zum Christentum bekennt, dann ist das zunächst bedauerlich, aber verständlich. Es wäre falsch "Identität und Zusammenhalt" mit dem Kreuz retten zu wollen, nur weil es immer so war. Das Kreuz eignet sich gewiss nicht als Accessoire einer nebulösen "bürgerlich-konservativen" Erneuerung.

In der Tat ist es schmerzlich, wenn Kreuze verschwinden, tatsächlich ist das Ausdruck einer "Selbstvergleichgültigung" wie es Alt-Bischof Wolfgang Huber nennt. Aber ein Hergotts-Winkel ohne Hergotts-Glauben ist eben auch nur verlogen. Das gleiche gilt für die Martinsumzüge. Natürlich ist es absolut kein Zeichen von Toleranz gegenüber Nicht-Christen, Lichterfeste zu veranstalten. Aber in Berlin sind es oft nicht etwa die muslimischen Eltern, die etwas gegen St. Martin hätten, sondern die säkularisierten Ex-Christen.

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing ist Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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