Im Zeichen der Toleranz

Stefan Orth über religiöse Symbole im öffentlichen Raum

Standpunkt | Bonn - 31.05.2018

Dr. Stefan Orth ist stellv. Chefredakteur der Herder Korrespondenz

Zu den Vorfällen, die in den vergangenen Wochen nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit bekommen haben, gehören die neuerlichen Zuspitzungen des Antisemitismus in Deutschland. Es muss gerade auch Christen bedrücken, wenn Juden darüber diskutieren, ob sie ihre Kippa als Zeichen ihres Glaubens öffentlich tragen können, ohne sich dadurch zu gefährden.

Im Zentrum steht dabei der importierte Antisemitismus, nicht zuletzt weil Flüchtlinge aus Ländern zu uns gekommen sind, in denen Israelkritik zur Staatsräson gehört. Umso gewichtiger ist es, dass auch in vermeintlich gutbürgerlichen Schichten der deutschen Mehrheitsgesellschaft offenkundig antisemitische Ressentiments wieder unverhohlener geäußert werden können. Mit Blick auf die dort oft gleichermaßen zu beobachtende Islamfeindlichkeit zeigt sich freilich auch, dass das Zeigen religiöser Symbole (Stichwort Kopftuchdebatte) paradoxerweise zu einem der zentralen Themen heutiger säkularer Gesellschaften geworden ist.

Wo immer man vor diesem Hintergrund über Kreuze im öffentlichen Raum diskutiert, muss man sich daran messen lassen, dass gerade dieses zentrale Zeichen des christlichen Glaubens für Toleranz steht. Es verweist auf einen Gott, der nicht nur die Christen im Blick hat. Das gilt für existierende Kreuze wie auch für solche, die mancherorts ab morgen neu aufzuhängen sind. Zu einer Verkehrung der Logik des Kreuzes darf es dabei nicht kommen.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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