Immer nur Kritik an Neokatechumenat und Co.?

Agathe Lukassek über Geistliche Bewegungen und Ortsgemeinden

Standpunkt | Bonn - 08.05.2018

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de

Alle paar Monate wiederholt sich das Spiel, zuletzt am Wochenende mit dem Neokatechumenalen Weg: Der Papst empfängt im Vatikan Mitglieder einer der vielen Neuen Geistlichen Gemeinschaften. Dann lobt das Kirchenoberhaupt das Gute, das diese Bewegungen für die Kirche tun. Denn diese missionieren, begeistern Menschen von Gott, die sonst von der Kirche nicht erreicht werden, bereichern die Liturgie um neue Aspekte. Aber fast immer hat der Papst auch Mahnungen parat. Er ruft zu Einheit mit der Kirche auf und warnt vor Isolation, Elitendenken und aggressiver Glaubensverkündigung.

Die Reaktionen auf solche Treffen sind vorhersehbar. Die Gemeinschaften selbst – manche in ungeklärter kirchenpolitischer Stellung – freuen sich über die päpstliche Wertschätzung, die Ortskirchen interessieren sich eher für die leise Kritik. Denn immer wieder kommt es zu Spannungen zwischen Bistümern und den Bewegungen, die vor Ort aktiv sind. Oft liegt es daran, dass die in den Pfarrgemeinden Aktiven wenig über die Bewegungen und ihr geistliches Leben wissen, aber auch daran, dass von Seiten der Gemeinschaften den Gemeindemitgliedern vorgeworfen wird, nur oberflächliche Christen zu sein.

Dem friedlichen Zusammenleben ist aber nicht gedient, wenn von beiden Seiten das Bild nur Schwarz oder Weiß gemalt wird. Es geht nicht, dass Kirchengemeinden in den Neuen Geistlichen Gemeinschaften nur eine Bedrohung sehen, deren Glaubensleben nicht wertschätzen und manchmal gar von sektierischen Tendenzen sprechen. Genauso unmöglich ist es, die traditionelle Pastoral für zukunftslos zu erklären und von "gewohnheitsmäßigen Christen" zu fordern, ihr Leben durch eine "klare Entscheidung" Jesus zu übergeben. So war es zu Jahresbeginn im "Mission Manifest" zu lesen, das unter anderem auch von Mitgliedern und Leitern von Neuen Geistlichen Gemeinschaften verfasst und unterzeichnet wurde.

Gemeinden und die neueren kirchlichen Bewegung müssen miteinander sprechen. Dann können sie vielleicht Vereinbarungen treffen über das, was sie gemeinsam tun können. Und ansonsten sollten alle Katholiken die Vielfalt in der Kirche als das wahrnehmen, was sie ist: eine Bereicherung und keine Bedrohung. Vom althergebrachten Rosenkranzgebet über die KjGay für junge Menschen, die nicht heterosexuell sind, bis hin zu charismatischen Lobpreis-Gottesdiensten der Bewegungen sollte alles innerhalb dieser allumfassenden Kirche Platz haben.

Von Agathe Lukassek

Die Autorin

Agathe Lukassek ist Redakteurin bei katholisch.de.

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