Keine Alternative zur Zwei-Staaten-Lösung

Oliver Maksan über die Beziehungen zwischen Israel und Palästina

Standpunkt | Bonn - 06.06.2017

Seit fünfzig Jahren währt nun Israels Besatzung Palästinas. Von einem Provisorium mag man da nicht mehr sprechen. Natürlich, seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 hat sich viel getan. Beide Seiten haben sich bewegt.

Eine moderate Palästinenserführung hat Israel anerkannt und will zwei benachbarte Staaten – anstatt eines einzigen an der Stelle von Israel. Israel wiederum hat die palästinensische Autonomiebehörde akzeptiert und den Gaza-Streifen geräumt. Selbst Israels Premier Netanjahu bekennt sich dem Begriff nach zur Zwei-Staaten-Lösung. Mehrere Verhandlungsrunden gab es.

Die Hamas torpedierte sie ebenso wie die Siedlerlobby. Zwischen den Extremen gibt es auf beiden Seiten enttäuschte Juden und Araber. Sie sehen sich durch die, den Oslo-Optimismus prägende Formel "Land für Frieden" getäuscht und zweifeln am Verständigungswillen der anderen Seite. Die Palästinenser glauben, Israel entließ sie in die Selbstverwaltung, habe aber nie den Willen gehabt, ihnen einen Staat zuzugestehen, der den Namen verdient. Der fortgesetzte Siedlungsbau ist ihnen sprechendster Beleg. Die Israelis wiederum glauben nicht, dass die Palästinenser an friedlicher Koexistenz interessiert sind. Terror und anti-jüdische Hetze gelten ihnen als Beweis.

Wie also einen Ausweg aus dem Status quo finden? Wirklich versöhnen lassen sich israelische und palästinensische Deutung des Konflikts nicht. Nach allem, was in den vergangenen hundert Jahren seit der modernen jüdischen Einwanderung in das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer geschehen ist, bedarf es deshalb einer klaren Trennung, ehe man an Versöhnung denken kann.

Der Jerusalemer Rabbiner David Rosen sieht hier eine Analogie zur katholischen Ehe. Eine Scheidung kommt nicht in Frage. Also bleibt nur eine Trennung von Tisch und Bett. Zur Zwei-Staaten-Lösung gibt es deshalb keine Alternative. Vorstellungen von einem binationalen Staat für beide Völker sind bloße Kopfgeburten. Ihnen stehen Geschichte und unbedingter Wille zur nationalen Selbstbestimmung entgegen.

Von Oliver Maksan

Der Autor

Oliver Maksan ist Chefredakteur und Geschäftsführer der Würzburger katholischen Zeitung "Die Tagespost". Von 2012 bis 2016 war er Korrespondent in Jerusalem.

Hinweis

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