Kirche im Absturz

Monika Metternich über den weihnachtlichen Kirchgang

Standpunkt | Bonn - 19.12.2017

Es war schon eine schockierende Zahl, die da kürzlich die Runde machte: Mehr als jeder zweite Deutsche (55 Prozent) wird an Weihnachten keinen Gottesdienst besuchen. Das ergab eine INSA-Umfrage für die "Bild"-Zeitung in der letzten Woche. Schaut man sich die Zahlen bei den Katholiken an, sieht es kaum besser aus: Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) von ihnen plant, zu Weihnachten eine Messe zu besuchen.

Nun waren gerade an Weihnachten bisher die Kirchen voll - auch von Leuten, die man sonst selten dort sieht. Viele Predigten konzentrierten sich daher liebevoll gerade auf diejenigen, die nur an Weihnachten in den Gottesdienst kommen. Inzwischen aber zeigt sich die Realität: Bislang noch in dürren Umfragezahlen, aber spätestens am Heiligen Abend kann sich dann jeder ein konkretes Bild davon machen, dass sogar das Fest der Geburt ihres Herrn und Erlösers nur noch eine Minderheit der Katholiken hinterm Christbaum hervorholt.

Gleichzeitig liest man, dass deutsche Bistümer Kirchen schließen, gar ihren Abriss planen, und Kirchengemeinden in XXL-Einheiten hinein auflösen. Es scheint, dass wirtschaftliche Unternehmensberater vielerorts das Ruder übernommen haben, denn "Reformen" bedeuten dort nicht mehr geistliche Erneuerung, sondern sorgfältig kalkulierten Schwund auf allen Ebenen.

Ob und wie diese beiden Facetten kirchlichen Niedergangs miteinander zu tun haben, sollte im neuen Jahr einmal ohne Scheuklappen analysiert werden. Wenn die christliche Botschaft derart an Strahlkraft verloren hat, dass sie selbst die Mehrheit der Christen nicht mehr bewegt, muss mehr passiert sein als nur schlechtes finanzielles Management. Es kann auch nicht nur am Priestermangel liegen, wenn zwei Drittel der Katholiken selbst am Hochfest Weihnachten nicht mehr zur Kirche gehen wollen. Wenn die Botschaft "Christ, der Retter ist da!" mehrheitlich nur noch achselzuckend zur Kenntnis genommen wird (Retter wovon? Wofür?), müsste genau da der Ansatzpunkt einer schonungslosen, existentiellen Selbstprüfung der Kirche in Deutschland liegen.

Von Monika Metternich

Die Autorin

Monika Metternich ist Religionspädagogin, Schriftstellerin und Journalistin.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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