Koch ist kein heißblütiger Bilderstürmer

Ulrich Waschki über den Umbau der Hedwigskathedrale

Standpunkt | Bonn - 02.11.2016

Berlins Erzbischof Heiner Koch ist nicht zu beneiden. Von seinem Vorgänger Kardinal Woelki hat er die Diskussion um die dringend sanierungsbedürftige Hedwigskathedrale geerbt. Schon unter Woelki hatte das Thema für Streit gesorgt. Mag sein, dass Woelki das Ganze auch falsch angefangen hat. Diese Diskussion ist müßig. Koch jedenfalls hat versucht, den Prozess transparent zu machen, beteiligte Gremien und Fachleute, hörte Kritiker der umfassenden Umbaupläne. Auf beiden Seiten sind gute Argumente und viel Sachverstand versammelt.

Und nun die Entscheidung: Die Kathedrale wird umgebaut. Damit läutet Erzbischof Koch das Ende ein für eine architektonische Besonderheit – die Öffnung im Fußboden, die den Hauptraum der Kathedrale mit der Unterkirche verbindet. Sie steht symbolisch für das derzeitige gestalterische Programm der Kathedrale. Kritiker werfen Koch vor, er zerstöre damit ein einmaliges Baudenkmal, das eng verbunden ist mit der liturgischen Bewegung vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil und der Geschichte der Katholiken in der DDR.

Doch der Berliner Erzbischof ist kein heißblütiger Bilderstürmer. Er hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sie gut begründet. Man kann sie weiterhin für falsch halten, aber sie ist zu akzeptieren. Dass Kirchenräume umgestaltet werden, sich zeitlichen Vorstellungen anpassen, gab es immer. Auch bei der Hedwigs-Kathedrale, die ja erst vor gut 50 Jahren ihre heutige Ausgestaltung erfuhr, und mittlerweile dringend erneuert werden muss.

Mancher katholische Berlin-Besucher wird mitleidsvoll lächeln angesichts des Zustands des Gotteshauses. Viele Pfarrkirchen im Münsterland oder in Oberbayern sind besser in Schuss als die katholische Kathedrale in der deutschen Hauptstadt. Hier muss sich endlich was tun. Ein Blick in die Entwürfe, die nun Grundlage des Umbaus werden, zeigt: Man darf sich auf die neu gestaltete Hedwigskathedrale freuen. Billig wird das aber nicht. 43 Millionen Euro sind für den Umbau des Gotteshauses veranschlagt. Eine Größenordnung wie bei der Sanierung des Hildesheimer Domes. In Hildesheim gab es keine größeren Diskussionen über diese Summen. Kathedralen sind nun einmal keine gewöhnlichen Bauwerke.

Von Ulrich Waschki

Der Autor

Ulrich Waschki ist Geschäftsführer und Chefredakteur der Verlagsgruppe Bistumspresse.

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